Leitbild

Warum schreibe ich, was ich schreibe?
Aus welcher Haltung heraus schreibe ich?

Warum schreibe ich, was ich schreibe?
Aus welcher Haltung heraus schreibe ich?

Mein Leitbild:

Manche empfinden meine Texte als hart. Andere unterstellen mir sogar Frauenfeindlichkeit, insbesondere dann, wenn ich das Feld der Sexualität berühre.

Doch was mich leitet, ist kein Bild der verletzlichen, zu beschützenden Frau. Mich leitet das Bild der souveränen Frau.

Ich sehe Frauen nicht als Opfer, die gerettet, verteidigt oder pädagogisch „empowert“ werden müssten. Ich sehe Frauen als ganze, wahrhaftige, in sich würdige Menschen. Als Menschen mit Bewusstsein, Wahl, Verantwortung, Intelligenz, innerer Kraft und der Fähigkeit, ihr Leben zu gestalten.

Genau deshalb schreibe ich, wie ich schreibe.

Ich weiß, dass es gesellschaftliche Machtstrukturen gibt.
Ich weiß, dass Frauen reale Herausforderungen erleben.
Ich weiß, dass Ungerechtigkeit, Grenzüberschreitungen und Abwertung existieren.

Aber ich weigere mich, Frauen aus diesen Tatsachen heraus als grundsätzlich schwach zu betrachten.

Denn genau dort beginnt für mich das Problem vieler heutiger Erzählungen über Weiblichkeit:

Frauen sollen angeblich stark gemacht werden, werden dabei aber zwangsläufig zuerst als schwach definiert. Sie sollen befreit werden, und werden dabei automatisch als hilflose Wesen angesprochen. Sie sollen geschützt werden und werden dabei innerlich kleiner gemacht.

Wer glaubt, Frauen ständig verteidigen oder schützen zu müssen, ohne ihnen zugleich ihre Souveränität zuzumuten, spricht ihnen Macht ab.

Das ist der Punkt, an dem ich nicht mitgehe.

Ich glaube nicht an ein Frauenbild, das Frauen vor allem über Verletzbarkeit, Gefahr, Schutzbedürftigkeit und Abwehr beschreibt. Ich glaube an ein Frauenbild, das von Würde ausgeht. Von innerer Autorität. Von Wahrhaftigkeit. Von freier Wahl.

Das heißt nicht, Probleme zu leugnen. Es heißt, Frauen nicht auf Probleme zu reduzieren.

Es heißt auch nicht, den Blick nach außen zu verbieten.
Es heißt nur, den Ursprung der eigenen Macht nicht im Außen zu suchen.

Mich interessiert deshalb nicht zuerst, was Männer falsch machen.
Mich interessiert, wie eine souveräne Frau sich in dieser Welt bewegt:

Wie sie denkt.
Wie sie wählt.
Wie sie spricht.
Wie sie liebt.
Wie sie sich verhält, wenn es leicht ist.
Und wie sie sich verhält, wenn es schwer wird.

Denn genau dort beginnt für mich weibliche Größe.

Die souveräne Frau ist keine Karikatur von Härte.
Sie ist nicht kalt, nicht verbissen, nicht dauerempört.
Sie ist nicht im Kampf mit Männern, um sich selbst zu spüren.

Die souveräne Frau ist entspannt und gelassen.
Sie ist klar.
Sie ist in sich gesammelt.
Sie kennt ihren Wert, ohne ihn vor sich hertragen zu müssen.
Sie braucht keine Dauerabwehr, weil sie nicht auf Angriff konditioniert ist.
Sie lebt nicht aus Reflex, sondern aus Bewusstsein und Vertrauen.

Und genau deshalb kann sie wählen.

Sie kann Nein sagen, ohne Angst.
Sie kann Ja sagen, ohne Unterwerfung.
Sie kann Nähe zulassen, ohne sich zu verlieren.
Sie kann Distanz schaffen, ohne zu verhärten.
Sie kann lieben, ohne sich zu verraten.
Sie kann geben, ohne sich klein zu machen.
Sie kann sich entziehen, ohne frustriert zu werden.

Das ist mein Maßstab.

Wenn ich schreibe, dann schreibe ich nicht aus dem Blick auf die geschundene, ausgelieferte Frau, die vor der Welt und im speziellen vor Männern geschützt werden muss.

Ich schreibe aus dem Blick auf die souveräne Frau, die ihr Feld betritt und es gestaltet.

Darum ist in meinen Texten die Frau nicht bloß Reagierende.
Sie ist nicht Opfer der Umstände.
Sie ist bewusst und fähige Handelnde.

Sie entscheidet, wen sie in ihr Leben lässt.
Sie entscheidet, wie sie lieben will.
Sie entscheidet, was sie gibt.
Sie entscheidet, was sie nicht gibt.
Sie entscheidet, wie sie mit Konflikt, Begehren, Nähe, Wahrheit und Würde umgeht.

Und genau deshalb sind meine Texte so, wie sie sind.

Ich schreibe nicht, um Frauen beizubringen, sich gegen alles zu verteidigen.
Ich schreibe, um Frauen an ihre innere Form zu erinnern.
An ihre Freiheit.
An ihre Wahrhaftigkeit.
An ihre Würde.
An ihre Fähigkeit, nicht nur zu reagieren, sondern zu gestalten.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, was es mit einer Frau macht, wenn sie ständig über Schwäche angesprochen wird. Wenn ihr fortlaufend gesagt wird, sie müsse aufpassen, kämpfen, sich wehren, sich schützen, misstrauisch sein, sich in Sicherheit bringen.

Wenn Frauen sich rund um die Uhr in Gefahr sehen, werden sie nicht größer, sondern enger, schwächer, kleiner, härter – und am Ende: erschöpfter.

Wer Frauen prinzipiell als schutzbedürftig adressiert, stärk nicht automatisch ihren Wert. Er kann damit auch ein Selbstbild festigen, das Handlungsfähigkeit, Selbstvertrauen, Souveränität und innere Autorität schwächt.

Ich habe mich für anderes in meinem Leben entschieden.

Ich mache Frauen nicht kleiner, um sie dann wieder aufzurichten.
Ich gehe von ihrer Größe aus.

Nicht naiv.
Nicht blind.
Nicht rosarot.

Sondern als Entscheidung.

Mein Ansatz ist deshalb weder Männerbashing noch Schuldverschiebung.
Ich suche nicht zuerst den Fehler im Außen.
Ich frage: Wie verhält sich eine souveräne Frau?

Nicht, weil Männer irrelevant wären.
Sondern weil weibliche Würde nicht davon abhängen darf, was Männer tun.

Das ist der Kern.

Und genau das zeigt sich sehr deutlich an diesem konkreten Phänomen:

Unreife, manipulative oder innerlich unfreie Männer verdrehen gute Gedanken für ihre eigenen Zwecke. Da wird aus der Inspiration Zwischen Lust und Pflicht ein Anspruch gegenüber der eigenen Frau abgeleitet und kommuniziert: „Da schau her. Die macht das auch.“ – „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, würdest Du auch….

Dennoch kann ein solches Verhalten nicht der Maßstab meiner Sprache sein. Ich streiche die souveräne Frau nicht deshalb aus meinen Texten und Gedanken, nur damit andere dieses wertvolle Bild nicht missbrauchen können.

Denn sobald wir anfangen, Wahrheit nur noch so zu formulieren, dass sie von den Schlechtesten nicht mehr verdreht werden kann, überlassen wir das gesamte Feld genau ihnen. Und das führt nicht in die Freiheit, die ich meine. Ja, dazu gehört Mut, aber auch Vertrauen, dass sich langfristig das Gesunde, das Gute, das Wahre und das Schöne durchsetzt. Diese Geduld bringe ich mit.

***

Die Frau, von der ich spreche, ist nicht perfekt.
Aber sie ist bei sich.
Sie ist nicht ohnmächtig.
Sie ist nicht ideologisch verhärtet.
Sie ist nicht auf Opfergewinn aus.
Sie sucht nicht ständig Bestätigung für ihre Verletzung.

Sie lebt. Sie wählt. Sie kultiviert ihr Innerstes.

Und ja: Das zeigt sich auch in intimen Fragen.
Die souveräne Frau gibt nicht aus Zwang.
Aber sie darf geben, ohne dass sie dadurch als ein Überbleibsel des Patriarchats denunziert wird.

Die souveräne Frau verweigert sich nicht aus Prinzip und Machtspielchen.
Und sie sagt natürlich auch Nein.
Sie lässt sich nicht moralisch drängen.
Und sie versteht Zuwendung nicht als Selbstaufgabe.

Weil sie frei ist.

Genau darum schreibe ich meine Beispiele so, wie ich sie schreibe. Nicht um Frauen etwas aufzudrängen. Sondern weil ich Frauen als fähig betrachte, selbst zu wählen und meine Texte einordnen zu können.

Meine Texte setzen kein Opfer voraus, damit Würde entstehen kann. Sie setzen Würde voraus, damit Handlung möglich wird.

Das ist mein Frauenbild.
Das ist meine Haltung.
Das ist mein Warum.

Und wenn ich es auf einen Satz verdichten müsste, dann diesen:

Ich schreibe aus dem Blick auf die souveräne Frau, weil nur dieser Blick Frauen nicht kleiner macht, sondern sie in ihre Wahrheit, Würde und Handlungsfähigkeit zurückführt.