Immer wieder, wenn ich von Liebe berichte und was sie in meinem Leben konkret verändert hat, werde ich gefragt: „Ja. Klingt großartig. Aber wie geht das? Wie geht dieses Liebe leben?“ Und ja, Liebe hat mein Leben komplett gewandelt: von Gewicht, über Traumbeziehung, über Geld verdienen und berufliche Entwicklung. Vor allem aber geht es um das Lebensgefühl! Das Gefühl mit dem Du jeden Morgen aufstehst, wenn Du dich für ein Leben in Liebe entschieden hast.
Inhalt
Damit diese Liebe nicht als abstraktes Konstrukt im luftleeren Raum herum schwebt, sondern wirklich integriert werden kann, dafür ist dieser Beitrag.
Warum überhaupt Liebe leben?
Ich habe bereits im Artikel Liebe lohnt sich, darüber geschrieben, weshalb Liebe leben sich lohnt. Dennoch hier für dich eine kurze Zusammenfassung, was Liebe statt Angst in deinem Leben bewirken kann:
Liebe steht Synonym für viele weitere Begriffe wie: Selbstvertrauen, Mut, Kraft, Energie, Geborgenheit, Gelassenheit, Gesundheit, Entspannung, Selbstwertgefühl, Fülle, Freude, Spiel, Frieden, Hingabe, Hoffnung, Glaube, das Gute, Freiheit, Selbstbestimmtheit, Genuss, Selbstsicherheit, uvm.
Na? Genügt dir diese Aufzählung bereits, um annähernd zu verstehen, in wie viele Bereiche deines Lebens sich Liebe auswirkt und auf welche Weise?
Wenn Du dich von Liebe führen lässt, entsteht ein anderes Leben: Du bist innerlich getragen, stehst auf beiden Füßen, bist fest verwurzelt und gleichzeitig nach oben offen. Du hast Wurzeln und Flügel zugleich. Es interessiert dich weniger, was andere von deinen Plänen und Ideen halten, Du nimmst dir deinen Raum – mit Mut und Kraft verfolgst Du deine Herzenswünsche, das, wozu Du auf dieser Welt bist – ohne schlechtes Gewissen, ohne Grübeln.
Gleichzeitig gönnst Du auch anderen diesen Raum, traust anderen Dinge zu, ermutigst sie, statt sie klein zu halten, feierst ihre Erfolge, freust dich für sie mit.
Du fühlst dich leicht, frei, kraftvoll, mutig, besonders, verbunden, verwurzelt, geborgen, geliebt, denn Du weisst, Du BIST ein Kind der Liebe. Du magst dich! 😉 Du bleibst dir treu und achtest auf dich – in jedem Lebensbereich. So ist es dir auch möglich jeden Lebensbereich miteinander in Einklang zu bringen. Du opferst nicht deine Gesundheit gegen Karriere, deine Freiheit gegen Sicherheit, deine Wahrheit gegen „geliebt werden“.
Liebe leben: Wie geht das?
„Liebe statt Angst“ klingt wie ein schönes Ideal. Doch wie geht das? Wie geht das konkret? So richtig, im Leben, im Alltag, in der Partnerschaft, mit Arbeitskollegen, mit der Familie nicht nur zur Weihnachtszeit, im Straßenverkehr, usw.
Im echten Leben entscheidet es sich in Sekunden: bei Alltagsthemen, am Arbeitsplatz, beim Öffnen der Post, in Geldfragen, zum Thema Sexualität. Dort übernimmt Angst oft automatisch das Steuer. In Millisekunden. Angst hat drei Dinge gemein, die sie zu einer explosiven Mischung machen: Schnelligkeit, Unbewusstheit, Reaktivität. Angst ist nicht grundsätzlich böse. Meist möchte sie uns schützen – besonders vor vergangenen Verletzungen. Sie will sichern, kontrollieren, gewinnen, recht haben, vermeiden.
Wenngleich Angst nicht böse ist, so ist sie dennoch zerstörerisch, ob im Innen oder im Außen. Angst erzeugt Angst. Angst setzt sich fort. Angst steckt an. Deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob und wie man selbst diesen unbewussten Kreislauf durchbrechen möchte, zu Gunsten von Liebe.
Wie destruktiv Angst sein kann, konnte jedermann während der Corona-Pandemie und den entsprechenden Maßnahmen betrachten: Menschen mussten alleine sterben, Kindern wurden Masken selbst beim Sport im Außenbereich aufgezwungen, Mütter mussten mit Maske und alleine gebären, Arbeitgeber nötigten ihre Mitarbeiter zum Impfen. Die Liste, was Angst mit den Menschen gemacht hat, ist erschreckend, traurig und lang.
Liebe ist anders. Liebe ist kein Gefühl. Erst recht ist Liebe kein Gefühl, das einfach so passiert (außer wir verlieben uns). Liebe ist eine Haltung, die auf einer vorangegangenen Entscheidung beruht:
Ich reagiere nicht aus Angst. Ich handle aus Klarheit, Gelassenheit und im Vertrauen. Ich möchte eine Frau sein, die Liebe lebt. Ich möchte mich nicht mehr von Angst bestimmen lassen, sondern selbstbestimmt meine Gedanken, die daraus resultierenden Gefühle und Handlungen aktiv beeinflussen.
Dieser Artikel ist deshalb kein Appell, sondern Inspiration – eine Idee, wenn Du so willst. Du entscheidest, wie Du dein Leben hier verbringen möchtest. Liebe ist nicht kompliziert. Sie ist nur unbequem für die Muster, die uns alle klein halten.
Liebe und Angst sind kein Gegensatzpaar
Oft könnte man meinen, Liebe und Angst wären ein Gegensatzpaar, das sich gegenüber steht wie zwei gleich starke Gegner. Doch Angst ist kein „Gegenprinzip“ zur Liebe. Angst ist ein Zustand des Mangels: Es fehlt etwas, das in Liebe vorhanden ist.
Hier habe ich drei Metaphern für dich, wie Du dir das Verhältnis von Liebe und Angst vorstellen kannst:
Liebe und Angst sind wie Licht und Dunkelheit
Liebe und Angst sind wie Licht und Dunkelheit: Wo Licht ist, kann keine Dunkelheit sein. Das kannst Du gerne testen: Setze dich in einen völlig dunklen Raum und zünde eine Kerze an. Die Dunkelheit verschwindet. Zudem stellst Du fest, dass die Dunkelheit dem Licht nichts anhaben kann. Selbst wenn es in den Ecken noch dunkel ist, das Licht geht dadurch nicht aus. Deshalb vertreibst Du Dunkelheit nicht, indem Du gegen sie kämpfst, sondern indem Du Licht hineinbringst. Und umgekehrt gilt: Dunkelheit kann Licht nicht „löschen“, sie kann nur dort existieren, wo Licht fehlt.
Liebe und Angst sind wie Wärme und Kälte
Genauso ist es mit Wärme und Kälte. Kälte ist keine eigenständige Kraft, die Wärme bekämpft. Kälte ist das Fehlen von Wärme. Sobald Wärme da ist, verändert sich der Zustand. Das „Problem“ löst sich nicht durch Kampf gegen die Kälte, sondern durch Zufuhr von Wärme.
Liebe und Angst sind wie stickige Luft im Raum, wenn Du das Fenster öffnest
Oder nimm einen stickigen Raum: Du diskutierst nicht mit der abgestandenen Luft. Du öffnest ein Fenster. Frische Luft kommt hinein, und der Raum klärt sich. Angst funktioniert ähnlich. Du musst sie nicht überzeugen, nicht widerlegen, nicht bekämpfen. Du bringst das hinein, was fehlt: Präsenz, Wahrheit, Vertrauen, innere Führung.
Genau deshalb ist „Liebe statt Angst“ kein Kampfprogramm. Es ist eine Entscheidung: Ich gebe der Angst nicht die Führung, nicht die Macht. Ich bringe Licht hinein. Ich bringe Wärme hinein. Ich öffne das Fenster.
Hohelied der Liebe: Woran Du Liebe erkennst
Wenn „Liebe leben“ praktisch werden soll, hilft eine klare Beschreibung dessen, wie Liebe sich zeigt. Eine der präzisesten Stellen dazu findest Du in der Bibel, im sogenannten Hohelied der Liebe:
„Die Liebe ist langmütig
die Liebe ist gütig.
Sie ereifert nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil,
lässt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht,
sondern freut sich an der Wahrheit;
Sie erträgt alles,
glaubt alles,
hofft alles,
hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf.
….
Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“
(1. Korinther 13,4–8,13)
Das Entscheidende daran: Dieser Text beschreibt Liebe nicht als Gefühl, sondern als Verhalten. Liebe ist geduldig. Liebe bleibt freundlich. Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil. Liebe wird nicht bitter. Liebe ist wahrheitsliebend. Genau deshalb ist Liebe so kraftvoll: Sie ist nicht reaktiv. Sie muss nicht gewinnen. Sie muss nicht kontrollieren. Sie bleibt klar, auch wenn es innerlich eng wird.
Wenn Du diesen Abschnitt wie einen Spiegel liest, bekommst Du sofort Orientierung für den Alltag: Bin ich gerade langmütig oder dränge ich? Bin ich freundlich oder schneide ich? Suche ich gerade Wahrheit – oder suche ich Recht? Rechne ich dem anderen das Böse zu – oder sehe ich das Beste in ihm?
Und damit sind wir wieder beim Kern: Liebe leben heißt nicht, Angst wegzumachen. Liebe leben heißt, inmitten von Unsicherheit so zu handeln, wie Liebe handelt.
Die liebende Frau – deine neue Identität
Ehe Du dich fragst, wie Liebe leben funktioniert, darfst Du dir ein Bild davon machen, wie eine liebende Frau denkt, fühlt und handelt. Denn am Ende zeigt sich die Liebe in unserem Leben, wie wir durchs Leben gehen.
Wie denkt, fühlt und handelt eine selbstbewusste, in sich ruhende Frau, die Gelassenheit, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen ausstrahlt?
Eine Frau, die Liebe lebt, hat eine klare innere Identität: „Ich handle aus Liebe.“ Das ist kein Hochgefühl, das sie ständig spürt, sondern eine Entscheidung, eine Grundhaltung zum Leben. Diese Identität ist kein Idealbild, das Druck macht, denn Liebe setzt nicht unter Druck, sondern handelt sanft und verständnisvoll. Liebe ist vielmehr ein innerer Referenzrahmen, ein innerer Kompass. Wenn etwas im Leben passiert, kann diese Frau den Raum zwischen Reiz und Reaktion halten und sich bewusst fragen: „Was würde die Liebe jetzt tun?“
Diese Entscheidung verändert zuerst die Innenwelt, das eigene subjektive Erleben. Auf Gedankenebene ist diese Frau nüchtern, klar und vertrauensvoll: keine Unterstellungen, keine Katastrophenszenen, keine Rechtfertigung oder ständig ein schlechtes Gewissen. Stattdessen Klarheit, Mut, Wahrhaftigkeit.
Im Körper fühlt sich Liebe wie Leichtigkeit an. Nicht als Dauer-High, sondern als mehr Weite im Brustraum, weniger Enge im Hals, weniger Druck auf den Schultern. Der Atem wird tiefer. Der Blick wird ruhiger, die Körperhaltung aufrechter, die Stimme gelassener. Das Nervensystem entspannt sich – alles ist gut. Liebe ist ein Zustand tiefen Vertrauens, Gelassenheit und Entspannung.
Ausstrahlung ist die sichtbare Folge von gelebter Liebe. Eine Frau, die Liebe lebt, wirkt weniger getrieben. Sie muss nicht „gewinnen“. Sie muss nicht „beweisen“. Sie bleibt in Kontakt, ohne zu klammern. Sie kann Nähe zulassen, ohne sich zu verlieren. Und sie kann Distanz aushalten, ohne in Kontrolle zu kippen.
Sehr deutlich zeigt sich gelebte Liebe in der Art, wie man sich selbst behandelt. Eine liebende Frau verrät sich nicht, um gemocht zu werden. Sie sagt Ja, wenn sie Ja meint. Sie sagt Nein, wenn sie Nein meint – ohne schlechtes Gewissen, ohne dabei laut zu werden, ohne sich hinterher schuldig zu fühlen. Eine liebende Frau ist sich selbst die beste Freundin.
Und daraus entstehen Handlungen: Liebe spricht die Wahrheit, ohne zu verletzen. Sie klärt, statt zu bestrafen. Sie handelt konstruktiv, statt zu übervorteilen. Sie übernimmt Verantwortung, statt Schuld zuzuschreiben. Sie wählt bewusst, statt automatisch zu reagieren.
Versuche diese Identität zu fühlen. Stell dir dabei am besten diverse Lebenssituationen vor, in denen Du gelassener, entspannter, fairer, liebevoller, cooler, humorvoller, mutiger, kraftvoller gehandelt hättest. Stelle dir diese Situationen jetzt vor und male dir im Detail aus, wie Du diese Situation anders löst – eben: liebevoller und dadurch klarer.
Wenn Du diese Identität einmal klar hast, wird der nächste Abschnitt logisch: Dann geht es nicht mehr um „Tipps“, sondern um den Moment, in dem Du dich entscheidest, diese Frau zu sein. In der Praxis. Jetzt.
Liebe ist eine Kunst – sie erfordert Übung
Ich nenne diese Seite und meine Arbeit nicht ohne Grund LIEBESKUNST. Liebe ist eine Kunst. Sie ist ein Handwerk, sie erfordert Fähigkeiten und am Ende Übung. Vor allem aber braucht es deine wahrhaftige Entscheidung für die Liebe, dafür, dieses Handwerk lernen und einüben zu wollen. Angst ist immer da. Um Angst müssen wir uns nicht bemühen. Die gesamte Welt, das gesamte Kollektiv ist voller Angst. Wenn wir das Licht nicht aktiv anzünden, bleibt es dunkel.
Spiritualität und Liebe leben: Du musst es nicht alleine tragen
Für mich ist „Liebe statt Angst“ untrennbar mit Vertrauen verbunden. Und Vertrauen wird schwierig, wenn ich glaube, ich müsse alles alleine lösen, alles alleine tragen, alles alleine schaffen. Genau dann wird das Leben eng, und Angst wirkt wie die einzige vernünftige Strategie.
Spiritualität ist für mich kein starres, religiöses Konzept mit Vorschriften, sondern ein Anker: die Anbindung an Gott, an die göttliche Quelle. Sie erinnert mich daran, dass ich gehalten bin – auch dann, wenn ich den Ausgang noch nicht kenne. Dass ich nicht alles „machen“ muss, um sicher zu sein. Dass ich mich hingeben darf, dass ich getragen und gehalten bin.
Diese Anbindung verändert die innere Dynamik: Aus „Ich muss“ wird „Ich darf“. Aus Druck wird Ruhe. Aus Unsicherheit wird Vertrauen. Nicht, weil plötzlich alles leicht ist, sondern weil ich innerlich nicht alleine stand halten muss, sondern abgeben darf.
Ich weiss, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.
Und genau deshalb ist Liebeskunst auch Übung: Achtsamkeit, Selbstregulation, Dankbarkeit, Vergebung und Mitgefühl sind Fähigkeiten, dieses Vertrauen im Alltag zu stabilisieren.
Die 5 wichtigsten Fähigkeiten für Liebe – Definition und Übung
1. Achtsamkeit
Achtsamkeit ist die Fähigkeit, den Moment zu bemerken, bevor ein Muster übernimmt, bevor Du re-agierst, statt bewusst zu agieren. Du spürst, was im Körper passiert, welche Gedanken anlaufen, welcher Impuls hochschießt. Ohne Achtsamkeit gibt es keine Wahl. Dann reagierst Du automatisch – und meistens ist es Angst.
Achtsamkeit übst Du, indem Du dich erwischst. Du erwischst dich bei Gedanken, Du erwischst dich bei Impulsen, Du erwischst dich in deinem reaktiven Muster. Mehr gibt es noch gar nicht zu tun, außer, dich immer wieder zu erwischen. Achtsamkeit kannst Du trainieren mit Achtsamkeits-Meditationen oder schlichten Achtsamkeits-Übungen.
2. Selbstregulation
Liebe scheitert selten am Wissen, sondern am Nervensystem. Selbstregulation bedeutet: Du erkennst das Muster (Du hast dich erwischt) und bist in der Lage, das Muster bewusst zu wandeln. Du bleibst präsent, statt in Angriff, Rechtfertigung, Rückzug oder Kontrolle zu kippen.
Du übst Selbstregulation entweder durch einen neuen, bewusst gesetzten Gedanken, durch schlichtes Atmen oder der Entscheidung, nicht zu re-agieren wie sonst immer. Du antwortest nicht sofort und reflexhaft auf die Nachricht, sondern schläfst eine Nacht drüber. Du schaltest bewusst dein Handy aus. Nicht zur Strafe für den anderen, um die Kommunikation abzubrechen, sondern aus purer Selbstfürsorge.
3. Dankbarkeit
Dankbarkeit ist nicht Schönreden. Dankbarkeit ist die Fähigkeit, das Gute wahrzunehmen, das bereits da ist, auch wenn gerade nicht alles ideal ist. Dankbarkeit verschiebt den Fokus von Mangel auf Fülle. Und genau dadurch wird es leichter, Vertrauen ins Leben zu halten, statt in Angstlogik zu fallen.
Dankbarkeit kannst Du über ein Dankbarkeits-Tagebuch üben. Dafür gibt es in der Zwischenzeit geführte Dankbarkeitstagebücher. Wenn Du richtig in das Thema Dankbarkeit einsteigen möchtest, empfehle ich dir das Buch: The Magic von Rhonda Byrne.
4. Vergebung
Vergebung öffnet dein Herz. Vergebung macht dich weit. Solange Groll in dir ist – egal gegen wen – liebst Du auf Raten. Vergebung ist der Schlüssel zu Liebe, besonders, wenn Du (noch) Groll gegen jemanden hegst. Das kann unterschwellig und sehr feinsinnig gegen deinen Ehemann passieren. Groll kann sich aber auch gegen deine Eltern richten oder gegen deine eigenen Kinder. Wie auch immer. Vergebung bedeutet nicht Zustimmung und ist natürlich auch keine Einladung zur Wiederholung. Vergebung ist die Fähigkeit, dich nicht an Groll zu binden. Du löst die innere Verkettung von „damals“ und „jetzt“, damit der nächste Moment frei wird. Damit DU innerlich frei bist.
Vergebung kannst Du durch Vergebungs-Meditationen üben, beispielsweise mit Meditation für Anfänger von Jack Kornfield oder durch sein hervorragendes Buch Das weise Herz.
5. Mitgefühl
Mitgefühl ist die Fähigkeit, den Menschen im anderen zu sehen – mit all seinem Schmerz, seinen Ängsten, seinen Themen. Auch, wenn Du gerade nicht einverstanden bist, was er von sich gibt. Mitgefühl ist Empathie plus Güte. Du bleibst weich im Herzen und klar in der Haltung. Mitgefühl macht Liebe spürbar.
Mitgefühl übst Du, indem Du im entscheidenden Moment deine Deutung prüfst: Unterstelle ich gerade Absicht? Klage ich an? Oder sehe ich gerade einen Menschen mit Angst, Müdigkeit, Überforderung, Sehnsucht? Mitgefühl heißt nicht, alles gutzuheißen. Es heißt, würdevoll zu bleiben – mit sich und mit dem anderen. Auch hierfür findest Du Meditationen bei Jack Kornfield.
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.
In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.
In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ (oft Viktor Frankl zugeschrieben)
Liebe leben: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum
Dieser Raum ist nicht groß. Oft ist er kaum mehr als eine Sekunde. Aber er ist der entscheidende Unterschied zwischen Autopilot und Wahl. In diesem Raum entscheidet sich, ob Angst übernimmt – oder ob Du Liebe lebst.
Angst will diesen Raum schließen. Sie drängt auf sofort: sofort antworten, sofort erklären, sofort angreifen, sofort zurückziehen, sofort kontrollieren. Je schneller Du wirst, desto sicherer gewinnt das alte Muster. Liebe dagegen braucht kein Tempo.
Liebe braucht Präsenz.
Diesen Raum kannst Du trainieren. Nicht indem Du dich „zusammenreißt“, sondern indem Du ihn bewusst markierst. Das ist der Moment, in dem Du innerlich sagst: Stopp. Hier entscheide ich.
Ganz praktisch sieht das so aus:
Stopp. Ein tiefer Atemzug.
Du unterbrichst den Impuls. Nicht, um cool für den anderen zu wirken, sondern um wieder Führung zu übernehmen – für dich.
Körper.
Du spürst: Wo sitzt die Angst gerade? Enge, Druck, Hitze, Unruhe. Du musst das nicht wegmachen. Du darfst es nur wahrnehmen, ohne ihm zu folgen.
Wahrheit.
Ein klarer Satz, innerlich oder laut: „Ich bin gerade getriggert.“ „Ich will gerade kämpfen.“ „Ich will gerade fliehen.“ Dieser Satz holt dich aus der Identifikation zurück in Klarheit.
Wahl.
Dann erst handelst Du wie die liebende Frau, die Du dir bereits vorgestellt hast: Eine Frage, vielleicht mit einem Lächeln, statt einer Unterstellung. Eine klare, aber höfliche Bitte statt eines Angriffs. Eine Pause statt eines kompletten Abbruchs. Ein wahrhaftiges, liebevolles Nein statt eines Ja aus Anpassung. Ein Schritt, der Deiner Identität entspricht: der Frau, die Liebe lebt.
Je öfter Du diesen Raum nutzt, desto vertrauter wird er. Und genau so entsteht LIEBESKUNST: nicht durch große Erkenntnisse, sondern durch eine kleine, wiederholte Wahl im Alltag.
Liebe leben im Konflikt
Konflikt ist einer der schnellsten Orte, an dem Angst das Steuer übernimmt. Angst will im Streit nicht klären, sondern sichern: Recht behalten, sich verteidigen, den anderen unter Druck setzen oder innerlich aussteigen. Darum eskalieren viele Gespräche nicht wegen des Themas, sondern wegen der Reaktivität aus Angst.
Liebe im Konflikt bedeutet: nicht siegen wollen, sondern verstehen und klären. Der Wahrheit folgen. Und Wahrheit kann niemals Angst sein. Dem anderen nichts unterstellen, sondern ihn wahrnehmen. Dich wahrnehmen. Abstand gewinnen. Die Meta-Ebene einnehmen.
Typische Angst-Reaktionen:
– Du sammelst Beweise („immer“, „nie“, „schon wieder“).
– Du unterstellst Motive („Du willst mich…“).
– Du gehst auf Angriff oder schmollst.
Liebe leben beginnt wieder im Raum: Stopp, Atmung, Wahrheit. Dann kommt eine klare Gesprächsführung.
Ein Satz, der Liebe in den Konflikt bringt:
„Ich will das nicht gewinnen. Ich will es klären.“ – oder auch: „Deine Wahrheit ist nicht meine Wahrheit. Ich mache sie mir nicht zu eigen.“
Dann drei konkrete Handlungen:
- Thema eingrenzen.
Nicht fünf alte Baustellen öffnen. Ein Thema. Klar benennen – ohne Vorwürfe. - Unterstellungen stoppen.
Nicht „Du machst das, weil…“, sondern „Wenn X passiert, kommt in mir Y an.“ - Bitte statt Urteil.
Nicht „Du bist…“, sondern „Ich wünsche mir konkret: …“ (ein Verhalten, kein Charakter).
Wenn Du merkst, dass Dein Nervensystem hochfährt, ist Liebe manchmal auch: Gespräch vertagen, ohne zu bestrafen. Unterstellungen sich nicht zu eigen machen. Dann ist der Satz:
„Ich merke, ich möchte eine Pause. Ich komme in einer Stunde zurück, dann sprechen wir weiter.“ – oder auch nicht. Du wählst für dich – nicht gegen den anderen.
So wird Liebe leben im Konflikt praktisch: mehr Gelassenheit, weniger Reaktivität, mehr Präzision, weniger Unterstellung, mehr Selbstvertrauen, weniger Angriffsfläche.
Möglicherweise hast Du bereits von der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg gehört. Wusstest Du, dass sein Konzept auf Haltung statt auf Technik beruht? Die gewaltfreie Kommunikation lebt Liebe als Haltung. Erst dann wird gesprochen.
Liebe leben heißt wählen im kleinsten Moment
Liebe leben ist kein „großes Gefühl“. Es ist ein Handwerk, das im Alltag sichtbar wird. Du brauchst dafür keine perfekten Umstände. Du brauchst fünf Fähigkeiten, einen Raum zwischen Reiz und Reaktion – und die Bereitschaft, in diesem Raum neu zu wählen.
Wenn Du heute nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Angst will Tempo und Kontrolle. Liebe will Präsenz und Wahrheit. Angst drängt. Liebe führt.
Wähle für die nächsten 24 Stunden eine einzige Situation als Trainingsfeld. Nicht alles auf einmal. Ein Moment, in dem Du sonst automatisch reagierst. Und dann nutze den Raum: Stopp. Körper. Wahrheit. Wahl.
So wird „Liebe statt Angst“ nicht zur Idee, sondern zu gelebter Realität.