Liebe und 5 spirituelle Lehren: eine Wahrheitssuche

Spirituelle Lehren – eine Wahrheitssuche

Am 01.01.2026 schrieb ich in mein Tagebuch:

„Liebe fühlt sich gerade wie Sterben an. Normalerweise beginnt mein Jahr voller Begeisterung und Vorfreude. Sonst hatte ich große Vorsätze und freute mich immer auf alles Große, das mich erwarten wird. Doch in diesem Jahr steht nichts an, was mich aus der Reserve locken könnte. Alles ist gut so wie es ist. Ich bin gesund, meine Ehe ist harmonisch, ich bin wieder gerne an der Uni, aber nicht mehr mit dieser elitären Identifikation wie noch vor Corona, und ich habe Freude an meiner neuen Website. Es ist alles gut und es gibt nichts zu erreichen. Alles ist da und ich bin zufrieden und gleichzeitig fühlt es sich wie Sterben an. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Der Januar schritt voran. Ich bin bereits seit gut sechs Wochen nicht mehr auf Instagram aktiv, dergestalt, dass ich keine Beiträge oder knackige Reels mehr poste. Hier und da eine Story. Die App ist vom Handy gelöscht und ich bediene Instagram nur noch vom Tablet aus. Mein Nervensystem hat sich völlig beruhigt, kein Dopamin-Kick mehr. Keine aufregenden Überschriften, keine Diskussionen mehr in den Kommentaren, keine 20 Nachrichten mehr am Tag in meinem Postfach. Kurzum: Ruhe und Stille.

Mir kommt das Zitat von Jesus in den Sinn:

„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.“ (Luk 9,24)

So muss es sich anfühlen, wenn wir alles loslassen. Nichts ist plötzlich mehr von Bedeutung, das sonst so aufregend war: Nicht die Streitereien in der Politik. Nicht die Häme, die über Menschen ergossen wird. Keine Klicks und Likes mehr, die vermehrt die Unbewusstheit im Menschen anspricht, den Schmerz, das offene, ungeheilte Fenster in ihnen, die re-aktiven, emotionalen Handlungen, ohne nachzudenken. Mit Liebe wird die Welt still. Du siehst sie von Außen, hast Mitgefühl, bist aber fernab des Dramas und der Aufregung.

Doch damit nicht genug. Das Sterben ging weiter. Es kam eine Phase, die sich anfühlte wie ein tiefer Einbruch von innen: Mich überkam von einer Stunde auf die andere eine unfassbar tiefe Traurigkeit. Es war, als wenn in meinem gesamten Herz- und Bauchraum ein tiefes, schwarzes Loch war. Es war so tief, schwer und schwarz, dass mir zum Weinen zumute war. Doch ich konnte nicht weinen. Ich hätte gar keinen Grund gehabt. Und ich wusste auch nicht, woher diese Schwere kam. Ich war mir allerdings sicher: Die Perimenopause hat damit nichts zu tun. Das, was ich da fühlte, war keine hormonelle Gefühlsschwankung.

Intuitiv wusste ich noch etwas: Ich lasse diese Traurigkeit da sein. Diese Traurigkeit war nämlich nicht nur schwer und tief, ich fühlte, wie sie mich noch mehr in Kontakt mit meinem Herzen bringt. Zu meinem Mann sagte ich: „Da passiert gerade was und es ist groß. Ich habe das Gefühl, dass sich jetzt eine weitere, sehr große Türe öffnen wird. Ein Tor in eine neue Erkenntnis.“

So ließ ich die Traurigkeit da sein und verbrachte gezielt Zeit mit mir allein: Baden, lesen, herumsitzen, aus dem Fenster starren, fühlen. Diese Melancholie war nicht nur Schwere. Sie war auch Kontakt mit meinem Herzen.

Und dann ging ich wieder auf die Suche: Doch ich habe nicht nach Erklärungen gesucht, sondern nach Orientierung: Was ist das? Was will das von mir? Und wie komme ich zurück in Leichtigkeit, ohne mich zu belügen? Was könnte mir diese Traurigkeit sagen wollen? Ich suchte online konkret nach diesem Thema, aber auch nach Leichtigkeit und Lebendigkeit.

Dabei stieß ich auf Michael A. Singer. Je länger ich ihn hörte, desto mehr erinnerte ich mich, denn ich hatte all das schon einmal gehört: Ich bin Bewusstsein. Meine Gedanken, meine Gefühle und mein Körper bin nicht ich, sondern es sind Werkzeuge. Ich muss mich weder mit meinen Gedanken, noch mit meinen Gefühlen identifizieren. Ich bin reines Bewusstsein. Leiden entsteht durch Anhaften, also dadurch, dass sich Menschen mit ihren Gedanken, Gefühlen und ihrem Körper identifizieren.

Diese Grundannahme ist radikal einfach – und sie hat mich sofort entlastet. Gleichzeitig blieb eine Frage offen:

Was will mir diese Traurigkeit sagen?

Ich bin überzeugt: Körper, Geist und Seele sind eine Einheit. Gefühle sind nicht nur „Störgeräusche“. Sie sind Bewegung. Sie können Verarbeitung sein. Sie können ein Signal sein. Sie können auch eine Wahrheit anzeigen. Und ich glaube auch: Sie haben etwas mit mir zu tun. Also mit meiner Verbindung zum Höheren.

Genau hier beginnen die Unterschiede spiritueller Lehren.

Neale Donald Walsch würde sagen: Gefühle sind Sprache. Gott kommuniziert mit dir durch dein Herz. Traurigkeit kann bedeuten: Du lebst nicht stimmig, Du bist nicht auf deinem Weg, Du hältst etwas zurück, das wahr sein will.

Singer würde anders ansetzen: Nicht das Gefühl ist das Problem, sondern Dein Festhalten daran. Du lässt es da sein, vollständig, ohne Widerstand – und erkennst Dich als das Bewusstsein, in dem es auftaucht und wieder geht.

Singer wirkt auf viele wie Abspaltung, weil er sagt: Du bist nicht deine Gefühle. Gemeint ist jedoch nicht: Fühle weniger. Gemeint ist: Sei nicht dein Gefühl. Hingabe bedeutet bei ihm, alles vollständig zuzulassen, ohne daraus Identität zu bauen. Das entgleist nur dann, wenn Beobachtung zur Kopfposition wird und der Körper außen vor bleibt.

Und dann gibt es die schöpferischen Linien: Neville Goddard und Joe Dispenza würden eher fragen: Welchen Zustand trainierst Du gerade? Ist Traurigkeit die „alte Chemie“? Dann geht es nicht um Wegdrücken, sondern um einen bewussten Wechsel: Wer bist Du, wenn das Leben leicht ist? Welche innere Identität nimmst Du ein – und wie verkörperst Du sie? Aber ist dieser Weg der Richtige? Bewerte ich an dieser Stelle Traurigkeit nicht als etwas, was „nicht da sein sollte“? Und was, wenn mir die Traurigkeit gerade etwas sagen möchte? Wäre es dann nicht falsch, über Visualisierung und Meditation, mich in einen anderen Zustand zu versetzen?

Joseph Murphy würde Traurigkeit pragmatisch als Unterbewusstseinsprogramm lesen. Das Unterbewusstsein setzt sich bei ihm vor allem aus unbewussten Glaubenssätzen zusammen. Seine Lösung besteht darin, neu zu glauben. Und dieser Ansatz deckt sich mit vielen Aussagen von Goddard und auch Dispenza und schlussendlich mit einer der markantesten Aussagen von Jesus:

„Euch geschehe nach eurem Glauben.“ (Mt 9,29)

Sein Ansatz kann entlasten, weil er Muster sieht, die meist unbewusst eingepflanzt wurden und Veränderung durch innere Neuausrichtung gelingt. Er kippt jedoch dort, wo aus innerer Arbeit Selbstbeschuldigung wird: „Wenn es mir schlecht geht, habe ich falsch gedacht.“ Das erzeugt Druck. Sein Hebel ist ähnlich wie bei Goddard und Dispenza Suggestion: wiederholte innere Sätze, Bilder und Annahmen, bis sich die innere Haltung verschiebt. Das kann entlastend sein – die Frage ist aber, ob Traurigkeit wirklich „falsch“ ist, nur weil sie sich nicht gut anfühlt für diesen Moment und deshalb Angst machen kann.

Gehören nicht alle Gefühle zu unserem Leben? Sind nur sogenannte gute Gefühle erlaubt? Oder sind Gefühle vielmehr ein Leitsystem und ein Signal, eine Sprache Gottes wie er mit uns kommuniziert? Sind Gefühle ein Ausdruck unserer Seele und ihre Art mit uns zu sprechen?

Und was sagt eigentlich Jesus dazu?

Jesus behandelt Traurigkeit nicht als Störung. Trauer ist menschlich. Sie ist kein Gegenbeweis für Vertrauen. Entscheidend ist, ob ich mich von Angst führen lasse oder von Liebe und Vertrauen. Jesus erlaubt Klage und Tränen – und fordert zugleich Wahrhaftigkeit: innere Ausrichtung, Gebet, Aufrichtigkeit, Konsequenz – also in Kontakt mit uns selbst und Gott gehen.

An dieser Stelle geht es sehr wohl um Wahrheit. Nicht um Geschmack, nicht um spirituelle Vorlieben. Wenn Liebe der Maßstab ist, dann ist nicht jede Lehre gleich wahrheitsfähig. Manche führen in Wahrhaftigkeit. Manche erzeugen subtile Flucht. Manche klingen weise und machen am Ende kalt. Manche wirken tröstlich und machen am Ende passiv.

Ein Test ist dabei simpel: Was macht diese Lehre mit mir, wenn ich sie konsequent zu Ende denke? Führt sie mich in Wahrhaftigkeit, Vertrauen und klare Handlung – oder führt sie mich in Vermeidung, Kontrolle oder Selbstbetrug?

Denn jede Lehre hat eine Stelle, an der sie unwahr wird, wenn Liebe fehlt:
Neville wird dann zur Verdrängung („Ich darf das nicht fühlen, ich muss nur den Zustand wechseln“).
Singer wird zur Kälte („Ich beobachte nur noch und berühre nichts mehr“).
Dispenza wird zur Selbstoptimierung („Wenn ich es richtig mache, darf ich nicht mehr traurig sein“).
Walsch wird zur Überdeutung („Jedes Gefühl ist ein Zeichen, ich muss es nur entschlüsseln“).
Murphy wird zur Schuldlogik („Wenn es mir schlecht geht, habe ich falsch gedacht“).
Und selbst christliche Sprache kann unpräzise sein: Menschen machen die christliche Lehre dann zur Moralkeule („Wenn ich traurig bin, fehlt mir Vertrauen“).

Genau deshalb ist Liebe der Maßstab.

Ich vergleiche diese Lehren nicht, um sie gegeneinander zu stellen, sondern um Gemeinsamkeiten zu erforschen: Wo sprechen sie dieselbe Wahrheit aus – nur mit anderen Worten? Wo widersprechen sie sich wirklich? Und woran erkenne ich dem Moment, dass eine Lehre unwahr ist? Beispielsweise, indem sie mich nicht in mehr Liebe, sondern in Druck, Kontrolle oder wieder ins Außen statt ins Innen führt.

Warum spirituelle Lehren und nicht einfach nur Jesus?

Natürlich lässt sich die Frage stellen: Wozu sich überhaupt spirituelle Lehren anschauen und nicht einfach bei Jesus und der Bibel bleiben? Die Antwort ist für mich einfach: Ich bin überzeugt davon, dass Gott über viele Arten mit uns spricht. Ich glaube, dass wir als Kinder Gottes unmittelbar Zugang zu seiner Weisheit haben. Manche nennen es Gott, andere „das Feld“ oder das Universum. Gott ist für mich kein alter, weiser Mann mit Bart, der auf einer Wolke sitzt und von oben herab urteilt. Gott ist für mich das Quantenfeld der allumfassenden Energie. Diese Energie ist Liebe. Durch diese Liebe ist alles – vor allem auf energetischer Ebene – miteinander verbunden. Diese Verbundenheit ist fühlbar und erlebbar durch sehr konkrete Ereignisse im Außen.

Alleine diese Ausführungen zeigen, dass mein Verständnis von Jesus, sich wohl nicht mit dem deckt, was mir bis dato von der katholischen Kirche „beigebracht“ wurde. Ich störte mich auch an der Auslegung von Sünde und der stetigen Wiederholung, wir seien alle Sünder. Kein aufbauender Gedanke, um einem jungen, suchenden Menschen im Leben Kraft und Zuversicht zu geben.

Am Ende geht es um das gute Leben. Menschen sind auf der Suche danach, wie Leben besser gelingt. Sie sind auf der Suche nach ihrem Platz hier in diesem Leben und auf dieser Welt. In ihnen ist eine Sehnsucht nach dem Wahren, Guten und Schönen – so auch in mir. So las ich mich durch die Philosophie und Psychologie. Dabei gab es sehr prägende Werke: Joseph Murphy las ich noch im Elternhaus: Die Macht des positiven Denkens. Erich Fromms Werk Die Kunst des Liebens folgte rasch. Dale Carnegie: Sorge dich nicht lebe.

Sehr früh ging es um Denkweisen und die Haltung zum Leben, zum eigenen Sein. Das ist nicht so weit weg von Jesus (Euch geschehe nach eurem Glauben). Dennoch suchte ich weiter nach dem Allumfassenden. Ich stieß auf das Thema Achtsamkeit und Meditation von Jon-Kabat-Zinn, sein berühmtes MBSR-Programm zur Stressreduktion und erhielt damit erste Einblicke in den Buddhismus. Tiefer stieg ich in die buddhistischen Lehren ein durch Jack Kornfield mit seinem herausragenden Werk Das weise Herz – ein Gamechanger.

Immer wieder fiel mir auf, dass in einigen Büchern auch Jesus erwähnt wurde. Bücher, die nicht explizit christlich geprägt sind. So festigte sich nach und nach meine Vorahnung, dass die Lehren Jesu Christi doch andere sind, als die, wie ich sie teilweise aus christlichen Kreisen zu hören bekam: Verbote, Strafen, Sünden, Drohungen, etc.

Und dann gab es ein Schlüsselerlebnis – wie bei so vielen, die Jesus irgendwann für sich erkennen: Der Tod eines sehr guten, ja meines besten Freundes. Es war, als machte es auf seiner Beerdigung „klick“. Ich wusste, wer Jesus für mich war: Jesus erkannte sich selbst als Gottes Sohn und versuchte den Menschen klar zu machen, dass auch sie Gottes Kinder sind, wenn sie denn glaubten. Doch es geht nicht darum, an Gott zu glauben, um ihn anzubeten und zu bitten. Es geht darum, zu erkennen, wer Gott ist. Wer Gott erkennt, spricht mit ihm, ist in Kontakt mit ihm, hat eine Beziehung mit ihm.

Jesus hat all das gewusst und vorgelebt. Noch ohne jegliche „Beweise“ der Wissenschaft, trug er diese Weisheit und das Wissen in sich. Jesus wusste, dass Glaube verändert. Und er wusste auch, dass Liebe die einzige Kraft ist, die das Reich Gottes in uns bringt. Und zwar jetzt! Nicht erst nach dem Tod. Denn:

„Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“ (Gal 3,26)
„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17)
„Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Luk 17,21)

Die neue Forschung im Bereich der Quantenphysik und Psychoneuroimmunologie bestätigt viele dieser Ansichten und Aussagen heute mit faszinierenden Ergebnissen.

In dieser Artikelserie geht es deshalb um Liebe als Maßstab. Nicht als Gefühl und nicht als Synonym für Beziehung, sondern als Wahrhaftigkeit. Hinschauen, Realität anerkennen, aus Vertrauen handeln statt aus Angst.

Spirituelle Lehren – so geht’s weiter

Was folgt, ist keine lose Sammlung, sondern eine Prüfung. Ich nehme zehn Grundfragen des Menschseins und halte daran fünf moderne spirituelle Linien, die Worte Jesu, sowie Liebe als Maßstab in meinem Verständnis von Liebeskunst. Jede dieser Fragen wird anschließend in drei konkreten Lebenssituationen sichtbar:

  • an einer Frau, die sich Liebe wünscht und deshalb eine Beziehung sucht
  • an einem Menschen, der angesichts realen Leids ins Handeln gegangen ist
  • und an meinem eigenen Leben.

Der Anspruch ist dabei nicht, „für jeden Moment“ eine passende Sicht zu finden. Der Anspruch ist die universelle Wahrheit.

Im nächsten Kapitel gebe ich eine erste Übersicht über die fünf spirituellen Lehren und starte mit der ersten Frage: Was bedeutet Menschsein? Sind wir Menschen oder sind wir in Wahrheit Bewusstsein? Sind wir ein Abbild Gottes? Oder auch: Sind wir Gott selbst?

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