Lust zurück gewinnen in langjährigen Beziehungen

15. Januar 2026

By Vanessa Eden

Lust zurück gewinnen ist die Einleitung der Serie „Rückkehr zur Lust“ – das Buch im Blogformat. Ich führe hier wissenschaftliche Erkenntnisse zu Lust mit Liebe zusammen: Wahrhaftigkeit, Freiheit, Lebendigkeit und Vertrauen. Die Übersicht mit Umfrage und allen Kapiteln findest Du hier: Rückkehr zur Lust.

Lust zurück gewinnen: Worum es in dieser Serie geht

Warum sehnen wir uns danach Lust zurückzugewinnen? Weshalb wünschen sich Paare vor allem in langjährigen Beziehungen überhaupt, dass Lust in ihre Partnerschaft zurückkehrt?

Dahinter gibt es zwei Grundmotive. Einerseits macht fehlende Lust Angst:

  • Mit unserer Beziehung stimmt etwas nicht.
  • Wir lieben uns nicht mehr. Angst vor Trennung.
  • Vielleicht geht er fremd?

Andererseits besteht der Wunsch nach Lust nach mehr Liebe im Leben, auf das Lebendige in der Beziehung:

  • Ich will, dass wir uns wieder intensiv spüren.
  • Ich will mit ihm wieder stark verbunden sein.
  • Ich will, dass mir Sex wieder Spaß macht und ich dabei so richtig abschalten kann.

Wer nach „Lust zurück gewinnen in langjährigen Beziehungen“ sucht, wird schnell fündig. Das Internet ist voll davon. Es ist also kein ungewöhnliches Thema des einzelnen Paares, sondern ein Phänomen, das sehr viele Paare in Langzeitbeziehungen betrifft.

Und so betraf es auch mich.

Nun passte Lustlosigkeit als ehemalige Kurtisane für mich so gar nicht zu meinem Selbstbild. Plötzlich fand ich mich in einer Situation wieder, von der mir meine Kunden über ihre Ehe berichteten:

„Da geht schon lange nichts mehr, und wenn, dann ist es in weniger als 10 Minuten abgefrühstückt.“

Auch verabscheute ich das Gefühl, mit Sex meinem Mann einen Gefallen zu tun. Für mich fühlte sich das schäbig an. Und manche könnten nun meinen: „Ja aber, das hast Du doch in deinem Job immer so gemacht.“ Und hier entsteht ein gewaltiger Denkfehler:

Für mich beruhte meine Arbeit als Kurtisane auf Freiwilligkeit und Abenteuer. Ich wurde stattlich entlohnt nicht dafür, dass ich mich überwinden musste, sondern dafür, dass es mir wirklich Freude machte. Der Kavalier bezahlte nicht so viel Geld, um eine Schauspielerin zu buchen, die in Wahrheit keine Lust auf ihn hat. Er war deshalb so großzügig, weil er eine lustvolle Frau genießen durfte. Und gerade deshalb war es für mich so schmerzlich, dass ich diese Frau für den Mann, der mich auf Händen trägt, nicht mehr sein konnte.

Ich wusste nicht, was diese Lustlosigkeit zu bedeuten hatte, ob es an mir liegt, an unserer Ehe, an Hormonen, am Stress oder an allem zusammen.

Mein Motiv war wohl eine Mischung aus Angst und Liebe. Einerseits wollte ich meinen Mann nicht ständig zurückweisen, andererseits wollte ich aber keinen Gefälligkeitssex. Also begab ich mich auf die Suche.

Was mir sehr schnell klar wurde, war: In Wahrheit war ich auf der Suche nach Lebendigkeit. Denn in der Zeit als Lust nur so aus mir heraussprudelte, fühlte sich auch mein gesamtes Leben anders an: freier, unbeschwerter, reicher, aktiver, fröhlicher, ausgelassener, weniger verkopft, hingebungsvoller, etc.

Ich wollte wieder diese Verbindung zu meinem Mann: Spontanen Sex, Lust auf ihn, Experimentierfreude. Auch das war uns abhanden gekommen. So versuchten wir es mit der sogenannten Date Night. Doch statt Romantik kam in mir oft nur Wut auf. So fand ich heraus: Auch die Date Night braucht gewisse Voraussetzungen, damit sie sich für beide Beteiligten gut anfühlt.

Und dann kam ich auf diese Idee: Ich startete ein 30-Tage-S-Experiment mit meinem Mann: 30 Tage Sex inklusive schriftlichem Festhalten in einem Tagebuch. Der Hintergrund: Ich wollte wissen, was meine Lust wirklich beeinflusst. Und dies gelingt sehr viel besser, wenn wir in Übung kommen und Sexualität nicht dem Zufall überlassen bleibt: Wie reagiert mein Körper? Was sagt mir mein Kopf? Welche Lebensbedingungen beeinflussen meine Lust unmittelbar?

Als ich auf den sozialen Medien dann über dieses Experiment berichtete, wollten viele wissen, zu welchem Ergebnis ich kam und welche Erkenntnisse ich daraus gewann. Ich entschied jedoch, meine persönlichen, intimen Ergebnisse nicht zu veröffentlichen. Zum einen sind sie schlicht zu privat. Und zum anderen hat niemand etwas davon, meine Innenwelt zu kennen – außer durch Voyeurismus angeregt zu werden. Dieses Experiment zu teilen hatte viel mehr den Hintergrund, Paare zu inspirieren, selbiges für sich zu testen. Denn eines steht fest: Die Erkenntnisse kommen unmittelbar. Voraussetzung für dieses Experiment ist eine grundsätzlich positive Grundstimmung zwischen den Partnern und Schmerzfreiheit beim Sex.

Schon zeitnah spülte mir der Algorithmus diesen reißerischen Titel auf den Bildschirm: Warum DDR-Frauen den besseren Sex hatten. Somit begann die Suche erneut. Welchen Einfluss haben Kultur und Strukturen auf die weibliche Lust und ist die Hypergamie wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Lust-Coaches gibt es in der Zwischenzeit wie Sand am Meer. Und dabei bringt jede meist ihre eigene Geschichte in ihre Coachings. Die Mutter von 3 Kindern meint, es läge vor allem am Mental Load. Die leistungsgetriebene Frau meint, es läge am fehlenden Zugang zur Sinnlichkeit und zum eigenen Körper, und die Frau in den Wechseljahren, macht diese für Lustlosigkeit verantwortlich. Wieder jemand anders bringt die Beziehungsebene ins Spiel mit Aussagen wie: Zu viel Nähe würde Lust zerstören. Begehren braucht Anziehung plus Distanz. Wobei meist unklar bleibt, was mit „Distanz“ konkret gemeint ist.

Bei meiner Recherche stieß ich auf sieben Hauptthemen, die Lust beeinflussen und die durch Studien gestützt werden:

  1. Biologie und Medizin
  2. Psyche und Kognitionen
  3. Sex-Qualität und Lernprozesse
  4. Beziehung und Dynamik zwischen zwei Menschen
  5. Lebenskontext und Übergänge
  6. Kultur, Normen, Medien
  7. Ökonomische und soziale Strukturen

Diese sieben Hauptthemen lassen sich in insgesamt 40 Unterthemen gliedern.

Deutlich wird hier: Lust ist ein hochkomplexes Thema und es ist weder mit ein paar Tipps und Tricks getan, noch ist Lust ein Tauschgeschäft: „Wenn Du öfter die Spülmaschine ein- und ausräumst, hab ich auch wieder mehr Lust.“ Wahre Lust ist intrinsisch motiviert.

Trotz der Komplexität habe ich sämtliche dieser Unterthemen auf Folgendes geprüft:

Welchen Einfluss hat LIEBE auf einzelne Themen? Was beeinflusst unser subjektives Erleben am stärksten?

So entstand meine These zu diesem Buch:

Alles, was die Wissenschaft als Einflussfaktor auf Lust beschreibt, lässt sich durch Liebe lösen.

Diese Behauptung werde ich Kapitel für Kapitel aufzeigen.

Lust ist Lebendigkeit

Lust ist nicht einfach nur Lust. Lust ist Lebendigkeit! Die Freude am anderen. Der Genuss am Körper. Mit allen Sinnen präsent sein. Kopf aus. Urlaub an. Pures Sein, in der ganzen Essenz liebend. Hingebungsvoll. Lust fühlen wir intensiv, wenn wir verliebt sind. Alle Energie bündelt sich. Der Fokus ist scharf gestellt. Anderes wird ausgeblendet. Wir sind voller Lebensfreude und Lebensenergie.

Diese Lebensenergie kommt vielen Menschen in langjährigen Beziehungen abhanden. Und nein, das liegt nicht am Alter. Denn, sobald wieder Verliebtheit ins Leben tritt, werden auch die Lebensgeister der 85-jährigen wieder wach. Klar ist: Äußere Einflussfaktoren der heutigen Zeit befeuern Lustlosigkeit in Langzeitbeziehungen, aber nur dann, wenn wir diese nicht bewusst lenken.

Die Sehnsucht nach Lust ist sie Sehnsucht nach Lebendigkeit – und nach LIEBE. Nach Wahrhaftigkeit, Lebendigkeit und Hingabe.

Daher lohnt es sich, Lust wieder ins Leben einzuladen.

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