Warum kollektive Negativerzählungen über Männer und Sexualität selbst gute Beziehungen vergiften können und wie Frauen ihre Wahrnehmung bewahren, wenn Debatten über Männer und Sexualität den Blick verengen.
Inhalt
Houston, wir haben ein Problem.
Männer sind verwirrt. Und Frauen sind es ebenso. Beide können sich heute so frei wie nie begegnen und gerade deshalb schaffen sich Menschen wieder Schubladen, an denen sie sich orientieren können. Hinein spielen dazu noch drei bis vier Generationen Erfahrung aus völlig unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Dies alles wird noch garniert mit interkultureller Vermischung und weiteren Rollenmustern für Mann und Frau. Ganz besonders trifft dies auf den Bereich der Sexualität zu.
Wer sich auf Social Media bewegt kann Gefahr laufen, Lebenswirklichkeiten einzelner für die große Masse zu halten. Die Algorithmen sind in der Zwischenzeit so feingetuned, dass Du genau die Inhalte angezeigt bekommst, die dich grundsätzlich interessieren: Egal ob eine bestimmte Sportart, dein Hobby oder Einrichtungstipps. Und so ist es auch im Mann-Frau-Thema, in dem ich mich verstärkt bewege. Deren Inhalt aber auch all den Menschen angezeigt werden, die sich für Beziehungsthemen und Liebe interessieren.
Konkret: Es geht um Lust, es geht um das Patriarchat und es geht darum, wenn Männer sexuelle Bedürfnisse anmelden – auch bereits wenige Wochen nach der Geburt im Wochenbett oder kurz danach.
Ganz heißes Eisen!
Und dennoch dürfen wir differenzieren. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Themen, wenn männliche sexuelle Bedürfnisse Druck auslösen. Was kollektive Empörung mit einzelnen Frauen machen kann – und wie wir einen klaren Blick darauf bekommen, was uns betrifft, aber auch – wie wir unsere ganz persönliche Situation lösen. Das Ganze natürlich immer aus dem Blick der LIEBE.
Ich schreibe diesen Text nicht für Frauen, die sich in der Empörung eingerichtet haben und dort bleiben wollen. Ich schreibe ihn für Frauen, die ihren klaren Blick bewahren möchten. Für Frauen, die gute Beziehungen nicht durch fremde Verbitterung vergiften lassen wollen. Für Frauen, die weder naiv noch verhärtet sein möchten, sondern verstehen wollen, was diese Debatten mit dem eigenen Inneren machen können.
Wenn männliche sexuelle Bedürfnisse Druck auslösen
Ich beobachte auf Social Media, vor allem in feministischen Räumen, eine starke Zuspitzung negativer sexueller Beziehungserfahrungen: Druck, Anspruch, Übergriffigkeit, sexuelle Forderungen, Abwertung männlicher Sexualität. Diese Inhalte lösen in mir etwas aus, und das, obwohl sie heute nicht mehr meine eigentliche Lebensrealität beschreiben.
Abgesehen davon, dass mir Inhalte dieser Art über Social Media verstärkt angezeigt werden und mich die Wut in den Kommentaren regelmäßig erschreckt, hat mich das Thema männliche bedürftige Sexualität und Druck selbst betroffen. Ich denke aber, die O-Töne dieser Social Media Beiträge gehen auch an denen nicht spurlos vorbei, die damit noch nie in Berührung gekommen sind. Das zeigten auch Kommentare von Frauen, die davon nicht betroffen waren, die davon erzählten, dass ihr Mann sich immer respektvoll ihnen gegenüber verhalten hätte – auch und gerade nach der Geburt der Kinder.
Erstaunlich war, dass diese Frauen in dieser Kommentarspalte in ihren Erlebnissen abgewertet wurden. Ja, es wurde ihnen sogar unterstellt, sie würden ihren Mann gar nicht kennen, er wäre dann sicherlich ins Bordell gegangen. Was dort stattfindet ist offensichtlich: Es wird ein Feindbild gezeichnet: Der Mann inklusive seiner Sexualität und Frauen, die es anders erleben sind entweder naiv oder Teil des Problems, denn sie würden ihrem Mann wohl zur Verfügung stehen wie eine gratis Prostituierte.
Man könnte sogar versucht sein, hier von Gaslighting zu sprechen. Präziser ist: Die Wahrnehmung dieser Frauen wird delegitimiert. Ihre Erfahrung zählt nur so lange, wie sie in das bestehende Narrativ passt. Sobald sie Hoffnung, Frieden oder die andere Erfahrung benennen, wird ihnen ihre Urteilskraft abgesprochen. Genau darin liegt die destruktive Dynamik.
Diese Kommentare zeigen nicht nur, dass diese Frauen für eine Lösung zum Zeitpunkt x nicht offen sind, sie möchten ihr Weltbild auch nicht verändern. Würde man ihnen vorschlagen, diese Sichtweise und das Erleben an sich könnte (!) ggf. etwas mit ihrer eigenen Wahrnehmung zu tun haben, wäre dies die Umkehr von Verantwortlichkeit und das Abladen von Schuld auf die Frau: Du musst nur anders denken, dann erlebst Du es auch anders.
Natürlich steckt in beidem Wahrheit!
Wie ich es persönlich in meiner Ehe erlebte
Auch mir ist dieser Druck begegnet. Es war in einer Zeit, als ich meine Lust verlor. Konkret hing dieser Lustverlust zusammen mit der Coronazeit und einer Wohnsituation. An meinem Mann war alles gleich geblieben. Nur ich bewertete über eine ganz bestimmte Zeit mein Leben als ein Minus. Und dabei ging es in Wahrheit auch nicht um die Coronazeit und die Wohnsituation, sondern um meine negative Bewertung sämtlicher Umstände.
Ich wurde unzufrieden mit mir selbst, verlor meine Lebensfreude und begann diese Stimmung auf meinen Mann zu übertragen. Er konnte mir kaum mehr etwas recht machen. Ich kam mir vor wie die ewig nörgelnde Xanthippe, was meine Laune verschlechterte. Und zu alle dem, war natürlich er schuld. Er könnte ein bisschen mehr so und weniger anders sein.
Befeuert wurde diese Wahrnehmung insbesondere dann, wenn mir Beiträge angezeigt wurden, wie der perfekte Mann zu sein hat. Klingt komisch, ist aber so gewesen in einer vulnerablen Phase meines Lebens.
Wenn es in dieser Zeit doch mal ein kurzes harmonisches Fenster gab, war das für ihn das Signal, es könnte mehr daraus entstehen. Dieses Signal lässt sich auf zwei Weisen bewerten:
- Als der immer geile Mann, der jede Gelegenheit für Sex riecht.
- Oder man könnte ihn wahrnehmen als einen Mann, der sich nach seiner liebenden Frau sehnt und sie gerne spüren möchte.
Doch wie auch immer: Ich hatte einfach keine Lust – und diese Lustlosigkeit machte mir Druck. Ich wusste, dass körperlicher Austausch für meinen Mann ein echtes inneres Bedürfnis zur Verbindung ist. Und ich wusste, dass ich ihm das gerade nicht geben kann.
Wer keinen Hunger hat, sehnt sich nicht nach Essen
Das Dilemma der Lustlosigkeit ist, dass demjenigen, der keine Lust verspürt, nichts fehlt.
Frauen wünschen sich sexuelle Offenheit und genau das setzt viele unter Druck
Doch ist es nicht so, dass sich gerade Frauen offene Gespräche mit ihren Männern wünschen? Sind nicht gerade sie diejenigen, die möchten, dass er sich ihnen anvertraut, sich öffnet, dass er spricht, dass er kommuniziert?
Toll! Und jetzt kommuniziert er sein Bedürfnis nach Verbindung und Sexualität und genau dies ist der Grund, ihn abzulehnen, weil wir dieses Bedürfnis als Druck empfinden? Und ja, manche Männern kommunizieren ihr Bedürfnis nicht als Wunsch, sondern als Anspruch, was das Dilemma definitiv verschärft.
Hier lohnt sich begriffliche Klarheit: Ein Wunsch ist nicht dasselbe wie ein Anspruch. Ein Bedürfnis ist nicht dasselbe wie Druck. Und Druck ist nicht dasselbe wie Grenzüberschreitung oder gar Übergriff. Genau diese Unterschiede verschwimmen in vielen Debatten. Wer alles in einen Topf wirft, kann nicht mehr klar sehen.
Schauen wir uns Wunsch, Anspruch und Druck genauer an: Der geäußerte Wunsch, bzw. das Mitteilen eines Bedürfnisses eines Mannes ist noch kein Fehlverhalten. Ein tatsächlicher Anspruch, der das Nein der Frau missachtet, hingegen schon. Druck wiederum entsteht in uns selbst. Druck ist das, was wir daraus machen. Hier spielen vor allem eigene Ängste und Anpassung hinein.
Ich sage damit nicht, dass es einfach ist, Ansprüche abzuwehren, wenn mit subtilen Mitteln oder sogar manipulativ gearbeitet wird – mit Drohung, mit Frust, mit beleidigt spielen. Aber auch das ist eine Chance zu erkennen, auf welchem Fundament diese Beziehung steht.
Mit diesem Thema alleine werden Bücher gefüllt. Manche beschreiben dabei Frauen als hypergam und Lust würde nur dann verloren gehen, wenn der Mann kein Alpha mehr ist. Wieder andere meinen, man müsste sich regelmäßig rar und interessant machen, um die Lust aufrecht zu erhalten – und zu guter Letzt machen andere das Patriarchat für alles verantwortlich. (Aufzählung nicht abschließend)
Von all diesen Ansätzen halte ich nichts, weil sie eines außen vor lassen: Die bewusste Entscheidung zur Sexualität und zur Lust in der Ehe.
Meine eigene Lustlosigkeit habe ich dadurch überwunden, als ich mein Leben wieder geordnet habe. Ich habe wieder damit begonnen, stärkere Entscheidungen für mich zu treffen. In meinem ganz persönlichen Fall bedeutete dies: Wieder mehr qualitative Zeit mit mir zu verbringen: Im Wald, beim Sport, im Café, beim Lesen, in der Sauna, an der Universität, im Urlaub, beim Fine Dining. Das sind meine Ressourcen. Das sind Erlebnisse, die ich in meiner Single-Zeit regelmäßig und mit großer Genugtuung zelebrierte. – Mein Bedürfnis nach Autonomie ist groß. Für andere mag das nicht zutreffen. Und obwohl mein Mann mich zu keiner Zeit einschränkte, verlor ich nach und nach über Jahre diese eigenen kleinen Highlights zum Auftanken, zum Beleben, zum Beruhigen.
Als ich damals auf der Suche nach meiner Lust war, wurde ich vor allem damit konfrontiert: Der Mann, der nicht Manns genug ist, der zu Hause zu wenig im Haushalt hilft und der überhaupt nicht genügt.
Stellen wir uns nun einmal vor – nur für 5 Minuten – dies alles wären Aussagen von Männern über ihre Frauen.
Und ich behaupte an dieser Stelle, dass es uns Frauen schwächt – massiv schwächt! – permanent die Schuld im Außen zu suchen – oder in irgendeiner Form des sogenannten Patriarchats. Jedenfalls ging es mir so. Je mehr davon im Internet angeschwemmt wurde, desto wütender wurde ich auf meinen Mann, der mit all dem gar nichts zu tun hatte. Was ein Irrsinn!
Wir unterschätzen die Macht kollektiver Erzählungen über Männer, Sexualität und Ehe
Wenn sich Frauen über „die Männer“ beschweren, macht das etwas mit uns. Und vor allem macht es etwas mit den Frauen, die gerade schwanken. Und es ist sooo so leicht, die Schuld im anderen zu suchen, statt auf sich selbst und die eigenen Gedanken zu achten:
Wie werte ich als Frau männliche Sexualität denn wirklich? Und ja, es ist nicht einfach! Nicht nur ich habe durch meinen Job verschiedenste Formen kennengelernt. Jede Frau macht ihre eigenen Erfahrungen mit Männern und deren Sexualität – nicht immer angenehme.
Und dann liest man permanent „Not all men, but always men.“ Und ja, es stimmt schon. Sexualstraftäter sind in der überwiegenden Anzahl Männer. Ich kenne kaum eine Frau, die in ihrem Leben noch nie männlicher, sexueller Belästigung ausgesetzt war. Doch was machen diese Pauschalurteile mit uns und wie wirken sie in unsere Beziehungen hinein?
Und: Was macht all dies mit den Männern, die nicht in diesen Topf zu werfen sind? Gibt es sie überhaupt? Oder sind am Ende alle Männer Schweine, wie es die Ärzte besungen haben? Die Forschung ist diesbezüglich sehr klar: Permanente negative Zuschreibungen führen nicht zu besserem Verhalten, sondern wirken demoralisierend. Frauen erreichen durch die ständigen Zuschreibungen also das Gegenteil von dem, was sie zu bewirken ersuchen.
„Euch geschehe nach eurem Glauben“, manifestiert sich.
Probleme dürfen benannt werden. Pauschalurteile zu fällen, ist jedoch kontraproduktiv – und verstellt den Blick.
Soziologisch ist der Einfluss auf unser eigenes Erleben und Denken nicht unerheblich: Egal ob Gruppendenken, Konformitätsdruck oder Feindbildstabilisierung. Die Kommentare haben es sehr deutlich gezeigt. Selbst die Frauen, die andere Erfahrungen teilen wollten, um ein Gleichgewicht in die Diskussion zu bringen, um aufzuzeigen: „Hey, nicht alle Männer sind so“, wurden verbal abgewatscht. Ihnen wurde diese Erfahrung und ihr Erleben abgesprochen. Auch ihr Mann wäre sicherlich einer von denen, sie wüssten es nur nicht.
Gerade hier zeigt sich, worum es in solchen Debatten oft wirklich geht. Denn eine Diskussion, die auf Wahrheit ausgerichtet wäre, müsste bei Gegenbeispielen neugierig werden. Sie müsste fragen:
Was ist dort anders?
Was gelingt diesen Frauen?
Was lässt sich daraus lernen?
Wenn positive Erfahrungen nicht als Erkenntnischance behandelt, sondern sofort neutralisiert werden, soll nicht verstanden, sondern ein Weltbild verteidigt werden. Ein Weltbild mit einem Feindbild, das der individuellen Situation niemals dienlich sein kann. Eine Debatte, die Leid gelten lässt, Frieden aber misstrauisch macht, ist nicht auf Wahrheitsfindung ausgerichtet, sondern befeuert den Konflikt.
Psychologisch wirkt so etwas tiefer, als viele glauben. Wer immer wieder mit denselben negativen Deutungen konfrontiert wird, liest mehrdeutige Situationen irgendwann ebenfalls negativer. Das ist keine Schwäche, sondern ein bekannter sozialpsychologischer Mechanismus. Kollektive Erzählungen prägen, was wir wahrnehmen, worauf wir achten und wie wir Verhalten einordnen. Gerade Frauen, die innerlich ohnehin schwanken, können dadurch beginnen, männliche Sexualität misstrauischer zu lesen, als es ihrer konkreten Beziehung entspricht.
Wütende Frauen geben der männlichen Sexualität Macht über ihre eigene
Was viele Frauen in diesen Diskussionen nicht erkennen ist dies: Mit jeder Anklage über die männliche Sexualität stellen wir diese über unsere eigene. Wir selbst sind es, die die männliche Sexualität höher bewerten und ihr mehr Gewicht verleihen als unserer. Möglicherweise ist dies bereits ein Ausfluss der Fawn-Response. Wir erkennen unseren eigenen Anpassungsdruck, der ein Ausdruck von Angst ist. Aber statt uns selbst unserer Angst zu stellen, verlagern wir die Diskussion auf die männliche Sexualität und das Patriarchat.
Das ist ganz schön praktisch. So müssen sich diese Frauen nicht mit ihrer eigenen Sexualität beschäftigen, sondern bleiben in der Abwehr stecken. Sie richten den Blick nach außen und lenken damit von sich ab. Das ist alles – aber keine bewusste, souveräne und selbstbestimmte Wahl zur eigenen Rolle als Frau.
Damit schützen sich diese Frauen nicht vor dem Patriarchat, sondern halten sich sogar selbst darin fest!
Denn gerade die weibliche Sexualität wurde im Patriarchat instrumentalisiert und nicht als eigenständig wahrgenommen. Und diese Frauen wiederholen durch diese Anklage das gleiche Lied – immer und immer wieder!
Dabei verkennen sie, dass männliche Sexualität im Patriarchat ebenso nicht anerkannt war. Männliche Sexualität wurde als triebhaft bewertet, weshalb sie in Bahnen gelenkt wurde – oft durch kircheneigene Bordelle organisiert. Triebe und Lust sollten mit Prostitutierten oder hwG-Mädchen ausgelebt werden (hwG = häufig wechselnder Geschlechtsverkehr). Bei der Ehefrau hingegen hatten sich Männer zurückzuhalten.
Diese Sexualmoral hat Männer und Frauen deformiert, wenn auch nicht in derselben Weise. Frauen wurden zu Keuschheit angehalten und in Doppelmoral eingebunden. Die Lustlosigkeit war ein Qualitätsmerkmal einer treuen Ehefrau. (Heute noch durch die weibliche Genitalverstümmelung von Frauen vorhanden).
Männer wurden in ein beschädigtes Frauenbild und ein ebenso beschädigtes Verhältnis zur eigenen Lust hineinerzogen.
Wenn Frauen nun männliche Lust pauschal als schmutzig, bedrohlich oder nieder einstufen, bekämpfen sie nicht das Patriarchat sondern wiederholen einen seiner ältesten Codes.
Denn genau diese Entwertung von Lust, Körperlichkeit und sexueller Lebendigkeit gehört selbst zur patriarchalen Sexualmoral. Das ist der eigentliche Widerspruch in dieser Debatte.
Nicht jede Männerkritik ist schon Befreiung. Manche Männerkritik bleibt vollständig innerhalb der alten Logik von Schuld, Scham, Verdacht und Spaltung.
Solange Frauen keine eigene sexuelle Autorenschaft entwickeln, bleiben sie ebenfalls in dieser Ordnung hängen. Dann bleibt die innere Logik weiter hängen an: Der Mann will etwas von mir, ich reagiere darauf, ich verteidige mich, ich klage an, ich bewerte.
Aber die eigentlichen Fragen müssten lauten:
Wie will ich Sexualität selbst leben? Was ist mein Begehren? Was ist meine Sprache? Was ist meine Form? Was ist mein Ja, was ist mein Nein? Was ist meine Verantwortung?
Und genau dort beginnt Emanzipation.
Patriarchat und Sexualität: Warum Männerhass oft nur die alte Ordnung wiederholt.
Solange Frauen Sexualität nur als Reaktion auf männliches Begehren denken, sind sie noch nicht frei. Auch dann nicht, wenn diese Reaktion im Gewand feministischer Kritik daher kommt. Diese Frauen übernehmen ein Deutungsmuster, in dem männliche Lust primär als Gefahr erscheint. Dadurch erfahren sie sexuelle Situationen schneller als Zumutung. Gleichzeitig bleibt die eigene Lust oft unentwickelt oder defensiv. Dann entsteht keine freie Sexualität, sondern eine Abwehrsexualität – oder Gönnersexualität. Also Sexualität, die nicht aus eigenem Begehren gestaltet wird, sondern aus Schutz, Reaktion, Bewertung oder moralischer Distanz.
Gerade Frauen, die grundsätzlich eine gute Ehe führen, sollten hier wach bleiben. Nicht, weil sie naiv wären, sondern weil auch eine gute Beziehung durch fremde Erzählungen vergiftet werden kann. Nicht jede Debatte, die Schutz verspricht, dient auch dem Frieden. Nicht jede laute Erzählung über Männer muss zur eigenen Wahrheit werden.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Was tun Männer? Sondern:
Welche Bilder von Männern, Sexualität und Beziehung lasse ich in mein Bewusstsein?
Wer innerlich klar bleiben will, darf lernen, was einen selbst betrifft und wo die individuelle Lösung liegen könnte, ohne die große Feindbild-Keule zu schwingen. Weder Naivität, noch Verbitterung führen in die Freiheit. Nur Klarheit tut dies – und damit LIEBE.
Liebe sieht den anderen in seiner schönsten und größten Version.