Wie ich männliche Sexualität als Escortdame erlebte

25. Januar 2026

By Vanessa Eden

Männliche Sexualität: Was an ihr ist so anders?

Weshalb erleben Frauen Männer im Bett so unterschiedlich? Weshalb wirkt männliche Sexualität auf einige Frauen abstoßend? Wie gelingt es manchen Frauen, damit Geld zu verdienen, ohne daran kaputt zu gehen? Wieso sind die Erlebnisse mit Männern selbst innerhalb der Branche so unterschiedlich? Liegt es am Setting – also an Ort, Preisniveau, Zugang, Regeln, Erwartungshaltung und dem Typ Mann, den dieses Setting anzieht? Und ganz konkret: Wie habe ich männliche Sexualität im Rahmen meiner Tätigkeit als Escortdame erlebt?

Wie ich Männer im Bett bis dato erlebte

Ehe ich auf meine Erlebnisse im Escortservice eingehe, erzähle ich kurz, wo ich bezüglich meiner sexuellen Erfahrung mit Männern zum damaligen Zeitpunkt stand:

Ich lebte seit gut 3 Jahren in der Schweiz und brachte – aus unterschiedlichen Gründen – keine Beziehung mehr so recht auf den Weg. Entweder waren mir die Männer zu brav und langweilig, oder ich konnte mir dauerhaft nicht den Kerl schnappen, den ich gerne wollte. Ich verliebte mich oft, hatte auch Sex, aber Beziehung war nicht das Ding. Sexualität an sich war für mich ein aufregendes Gebiet, seitdem ich damit begann. Fasziniert war ich als junge Frau davon, wie krass Jungs auf Sex stehen und wie sehr sie sich „bemühen“ nur dafür zu landen. Die Begeisterung aus Männersicht für den Frauenkörper, ja für Sex an sich, fand ich spannend.

Und obwohl auch ich seitens der Familie in jungen Jahren gewarnt wurde, „mich nicht zu schnell herzugeben“, da Jungs oftmals „nur“ Sex wollten, löste dies in mir keine Abneigung aus. Im Gegenteil. Ich verstand einfach nicht, weshalb Jungs etwas dürfen, ja dazu animiert werden, was für Mädchen verpönt sein soll. Ich verstand die unterschiedliche Bewertung der Sexualität nicht, und ich kapierte auch nicht, weshalb sich mein Körper in irgendeiner Form „abnutzen“ könnte – im Gegensatz zu den Jungs, deren Körper wohl durch viele Mädchenkontakte aufgewertet wird. Der Junge sammelt Erfahrung, das Mädchen gibt sich zu schnell her.

Und dabei genoss ich jeden dieser Kontakte. Ich fand die Atmosphäre heiß. Damals noch in den Jugendzimmern bei den Eltern, heimlich, nicht zu laut zu sein und am Ende nicht einmal duschen zu können. So nahm ich den Sexgeruch, der an mir klebte mit nach Hause – und fühlte mich lebendig, weiblich, erotisch, begehrt.

Ich kann sagen: Ich mochte den Männerkörper, ich genoss das Begehren und ich mochte auch mich und meinen Körper beim Sex und danach.

Der erste Kunde im Escortservice

Beim ersten Kunden ist es wohl so wie beim ersten Mal. Man vergisst es einfach nicht. Ich war also in der Schweiz, meine letzte „Beziehung“ ging krachend inkl. Polizeieinsatz auseinander und ich hatte gehörig die Nase voll von Beziehungen. Immer dieses Hoffen und Bangen, die Eifersucht, das Klammern. Ich war müde von dieser Liebe, die keine war.

Aus dieser Stimmung heraus entschied ich mich für die Tätigkeit im sogenannten Escortservice. Es war nach meiner späteren Bewertung kein wirklicher Escortservice. Es waren Haus- und Hotelbesuche, organisiert über eine Agentur – meist stundenweise (mehr dazu in meinem Buch: Warum Männer 2000 Euro für eine Nacht bezahlen). So fuhr ich also mit dem Auto der Agentur zu meinem ersten Termin ins tiefste Engadin.

Ich parkte zwei Straßen vom eigentlichen Haus entfernt, damit mich die Nachbarn nicht sehen. Die Frau des 62-jährigen Mannes war nämlich für dieses Wochenende mit ihren Freundinnen unterwegs. Ich hatte noch keinerlei Vorstellung davon, welche Art von Männern mir in diesem Job begegnen würden. Gebrieft war ich seitens der Agentur so:

Lass dir möglichst lange Zeit mit Gesprächen vorab. Dusche lange, damit für den Akt kaum mehr Zeit bleibt und du danach direkt verschwinden kannst.“

Unbedingt sollte ich vermeiden, dass er in dieser Stunde ein zweites oder sogar drittes Mal wollte.

Unabhängig sämtlicher Ratschläge und Hinweise war es am Ende aber so: Ich war mit dem Kunden alleine. Ich musste schauen, was für mich stimmig ist. Ich musste herausfinden, welcher Typ Mensch mir gegenübersteht. Ich musste wählen, welches Gefühl ich ihn ihm und in mir hinterlassen möchte. Es lag in meiner Verantwortung, wie dieses Treffen vonstatten geht.

Und so ließ ich mich auf diesen ersten Kunden ein. Er erfuhr seitens der Agentur, dass er mein erster Kunde war – und nahm sich deshalb Zeit für ein kleines Kennenlernen im Wohnzimmer. Die Sprache kam schnell auf seine Frau und dass sie schon seit Jahren nicht mehr… und er deshalb… und so weiter… und so fort.

Dann ging es in die Kiste – konkret ins Ehebett: Vom Nachttisch aus lachte mich seine Ehefrau an, während ich uns während des kleinen Stelldicheins im Spiegel des Kleiderschranks beobachten konnte. Der Sex war keinesfalls außergewöhnlich. Er war talentiert, zärtlich und genoss unser Zusammensein.

Danach ging alles relativ schnell. Ich duschte, zog mich an und wir wechselten noch ein paar kurze Worte. Dies war auch bei nachfolgenden Treffen häufig der Ablauf. Die wenigen kurzen Worte danach waren anders als die Gespräche zu Beginn. Irgendwie erleichtert und gleichzeitig beschämt. Bei den meisten verheirateten Männern war es, als wenn der Kopf wieder klar denken kann und sie am liebsten so schnell wie möglich zum Tagesablauf übergehen wollten, als wäre nichts passiert.

Diese Art, damit umzugehen, erlebte ich später im „echten“ Escortservice weniger, weil ich meistens für eine ganze Nacht oder länger mit dem Mann zusammen war.

Konkret: Wie erlebte ich männliche Sexualität in verschiedenen Settings?

Ich habe zur Einführung den Punkt „Setting“ bereits eröffnet: Ist das Wahrnehmen und das Erleben von männlicher Sexualität abhängig vom Setting? Ich meine JA! Denn meine Erlebnisse beschränken sich nicht nur auf High Class Escortservice als Kurtisane mit strikten Regeln und auch nicht nur auf die Haus- und Hotelbesuche über eine Agentur: Ich erlebte männliche Sexualität auch insgesamt fünf Tage im Bordell.

Männliche Sexualität bei Haus- und Hotelbesuchen

Ich begann meine Tätigkeit mit genau dieser Dienstleistung: Haus- und Hotelbesuche. Gebucht wurde ich mal für eine Stunde, für zwei, für einen Abend oder eine ganze Nacht. In der Regel waren es jedoch ein bis zwei Stunden; Übernachtungen kamen selten vor. Da ich mir zu dieser Zeit die Kunden noch nicht aussuchte, sondern sie mir über die Agentur zugeteilt wurden, war ich mit diesen Ein- bis Zwei-Stunden-Buchungen fein. Das Setting war klar: begrenzte Zeit, klarer Zweck.

Männliche Sexualität erlebte ich in diesem Setting sehr unterschiedlich. Bei einigen Männern stand eine Art Maximierung im Vordergrund: möglichst schnell, möglichst viel, möglichst effizient – als wäre Sex etwas, das man „aus einem Zeitfenster herausholt“. Bei anderen war es eher Entlastung: ankommen, runterfahren, reden, dann Sex – nicht als Leistung, sondern als kurzer Ausstieg aus dem Alltag – eine kleine Wellness-Insel. Was sich jedoch durchzog, war der Kern des Arrangements: In diesem Setting ging es nicht um Beziehung oder Nähe im sozialen Sinn, sondern um Sex in einem klar begrenzten Rahmen. Gespräch war häufig Übergang, nicht Ziel.

Diese Unterschiede zeigten sich oft schon in den ersten Minuten: ob ein Mann präsent war – oder ob er die Begegnung sofort auf Funktion stellte. Ich begegnete in diesem Setting auch vermehrt einer anderen Ausprägung männlicher Sexualität: Scham und Schuldgefühl. Wenige dieser Männer versuchten, ihr eigenes Unwohlsein auf mich zu übertragen – subtil versteht sich und ich vermute, in den meisten Fällen auch unbewusst. Es war, als müsste der Mann Distanz zu seinem eigenen Handeln herstellen. Es war, als stünde der Trieb im Raum, aber ohne inneren Frieden damit. Diese Männer wirkten getrieben und innerlich unruhig zugleich.

Besonders spannend fand ich, was es mit mir machte: Ich nahm diese subtile Abwertung nicht an, sondern konnte immer seinen Schmerz darin sehen. Deshalb war dies für mich kein Grund zu verurteilen, sondern ein Hinweis auf einen Konflikt: sexuelles Verlangen plus schlechtes Gewissen – und die Projektion dieses Unbehagens auf die Frau. Dieses Spannungsfeld – sexuelles Verlangen bei gleichzeitigem innerem Widerstand – war in diesem Setting auffällig präsent.

Männer, die mich über die Agentur buchten, fragten die Telefonistinnen regelmäßig nach meinen Vorlieben – beziehungsweise nach den Vorlieben der Frauen. Dadurch erreichten mich vor allem Buchungen von Männern, die mit meiner natürlichen Sexualität etwas anfangen konnten. Mein Blick auf die Bandbreite der Männer, die diese Dienstleistung nutzen, war in diesem Setting also bereits deutlich selektiert: Passung wurde vorab hergestellt, Reibung dadurch reduziert.

Bei ganzen Nächten war der Rahmen ein anderer: weniger striktes Zeitfenster, um zum Ziel zukommen, mehr gemeinsamer Ablauf – Ankommen, Quatschen, Sex, Essen, Schlafen, Aufwachen. Inhaltlich blieb der Kern jedoch derselbe, und weil diese Buchungen in diesem Setting aber selten waren, ist das für mich eher eine Randnotiz als ein eigenes Kapitel.

Summa summarum lässt sich sagen: Die Kombination aus Scham/Schuld und subtiler Abwertung begegnete mir bei Haus- und Hotelbesuchen häufiger; im High-Class-Escortservice erlebte ich das so gut wie gar nicht. Und jetzt stellt sich die Frage: Wie war das Erleben von männlicher Sexualität im Bordell?

Männliche Sexualität als Erlebnis im Bordell

Es gab diverse Gründe, weshalb ich mich auch für wenige Tage im Bordell ausprobierte. Ich habe sie ausführlich in meinem Buch beschrieben. Ein Grund war schlicht Pragmatismus. Ich dachte mir: Die Arbeit ist eigentlich die gleiche, aber ich spare mir die Fahrerei und das Warten den ganzen Tag. Ich habe einen geregelten Tagesablauf, Kontakt zu anderen Frauen und kann angenehme Räume nutzen. Und ich wollte verstehen, was dieses Setting mit männlicher Sexualität macht.

Der erste Versuch war in einem Mini-Bordell in einem Dorf. Ich war dort mit nur einer polnischen Kollegin. Die Fenster waren abgedunkelt, und wir saßen während des Wartens vor dem Fernseher. Die Kunden kamen meist schnell in der Mittagspause vorbei oder nach der Arbeit. Nach zwanzig Minuten war alles erledigt.

Ich war bis dato der Meinung, Haus- und Hotelbesuche seien teils sehr zielorientiert. Diese zwei Tage öffneten mir jedoch nochmals die Augen: Hier ging es noch weniger um Begegnung und noch mehr um Funktion.

Mir ging es in diesen zwei Tagen wirklich nicht gut in diesem Etablissement, weshalb ich abreiste – allerdings nicht ohne einen Tipp meiner polnischen Kollegin. Sie schwärmte von einem Edel-Bordell: Die Atmosphäre sei nobel, und der Chef täte alles für die „Mädchen“. Also machte ich mich einige Tage später auf den Weg, um mir diesen Laden anzuschauen.

Die Räume waren in der Tat besonders: hochwertig ausgestattet und sauber. Es gab Whirlpools, Saunen und freundlich eingerichtete Zimmer. Wenn ein Mann kam, stellten sich alle Mädchen in einer Reihe auf. Er wählte, die Frauen traten wieder ab und er flüsterte der Hausdame seinen Wunsch ins Ohr. Sie holte dann das Mädchen zum Gast. Die Zeit mit dem Gast lag zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Männer, die eine Frau noch nicht kannten, buchten daher meist 20 Minuten. Im Kern war es derselbe Mechanismus wie zuvor – nur mit anderer Ästhetik.

Im Bordell war der Fokus noch stärker auf Sex gerichtet, also auf den reinen Geschlechtsakt, als bei den Haus- und Hotelbesuchen. Atmosphäre kam für mich kaum auf – schon allein deshalb, weil das ganze System auf Durchlauf und Kontrolle ausgelegt war: Auswahl, Zeitfenster, Abrechnung. Zeit zum Reden gab es kaum, höchstens ein wenig Smalltalk als dünne Schicht Menschlichkeit: Wo kommst Du her? Wie lange machst Du das schon? Macht es Dir Spaß?

Fazit:

Im Bordell zeigt sich eine Form männlicher Sexualität besonders klar: Sexualität als schnell verfügbare Entlastung, organisiert auf Effizienz. Dass es dieses Setting gibt, ist kein Zufall und keine „eigene Logik des Ortes“, sondern ein Spiegel der Nachfrage. Ein Angebot, das sich nicht stimmig an männliche Bedürfnisse anpassen würde, würde nicht bestehen. Das Bordell ist deshalb so gebaut, wie es gebaut ist: weil es angenommen wird.

Zeitfenster von 20 Minuten sind kein Detail, sondern Ausdruck dieses Bedürfnisses. Sie bedienen Männer, die nicht Verführung suchen, sondern eine kurze, klare Lösung. In dieser Nachfrage steckt häufig kein Wunsch nach Begegnung, sondern nach Entladung, nach Ruhe im Kopf, nach dem Ende eines inneren Drucks. Deshalb wirkt der Ablauf so zielorientiert: nicht, weil Zeitfenster Männer „machen“, sondern weil Männer, die genau das suchen, dieses Angebot wählen.

Auch das Aufstellen, die Auswahl, das Flüstern des Wunsches, das „Abholen“ der Frau – das alles bedient eine weitere Facette männlicher Sexualität: Entkopplung von Person und Risiko. Es wird nicht um Zustimmung gerungen, keine Beziehungsebene eröffnet, keine Unsicherheit ausgehalten. Der Mann muss sich nicht zeigen. Er muss nicht „gefallen“. Er muss nicht mit Ablehnung rechnen. Er bleibt in Kontrolle und Distanz, und genau das ist für viele ein Teil der Attraktivität.

Das erklärt auch, warum „Atmosphäre“ im Bordell oft dünn bleibt. Nicht, weil Atmosphäre unmöglich wäre, sondern weil sie für diese Form von Nachfrage nicht zentral ist. Smalltalk existiert dann eher als kurzer Anstrich von Normalität. Der knappe Austausch wirkt wie ein Versuch, etwas menschliche Wärme über einen Vorgang zu legen, der im Kern als reine Dienstleistung organisiert ist.

Selbst im Edel-Bordell zeigt sich das: Die Ästhetik kann hochwertiger sein, Räume können sauberer, weicher, luxuriöser wirken. Aber der Mechanismus bleibt derselbe, solange die Struktur identisch ist: Auswahl, Zeitfenster, Abrechnung. „Nobel“ verändert die Oberfläche – nicht zwingend die Art von männlicher Sexualität, die hier bedient wird.

Und genau an diesem Punkt wird später wichtig, was viele Frauen kaum nachvollziehen können: Was „nur“ Sexualität für manche Männer bedeutet. Nicht romantische Nähe, nicht Beziehung, nicht ein Gespräch – sondern eine sehr konkrete Regulation: Druck rein, Druck raus. Und dafür wird ein Angebot geschaffen, das genau das möglich macht.

Für mich war dieser Rahmen für ein intimes Erlebnis nicht stimmig. So wollte ich Männern nicht begegnen. Und ja – es hat mich erschreckt. Nicht aus moralischen Gründen, sondern weil ich dort sah, wie sehr Sexualität für viele Männer reine Funktion sein kann. Danach stellte ich mir eine Frage, die mich bis heute beschäftigt: Was ist Sexualität für Männer wirklich?

Geht es um Entlastung, um Nähe, um Kontrolle, um Begehren – oder um das Vermeiden von Risiko und Ablehnung? Welche Rolle spielt Kultur, Biologie und das eigene Selbstverständnis zum Thema Sexualität? Dieses Setting wird nicht zufällig so betrieben. Es wird angenommen. Also muss es ein männliches Bedürfnis bedienen, das viele Frauen so nicht kennen: Sexualität als schneller, klarer Weg, einen inneren Zustand zu regulieren – ohne Beziehungsebene, ohne Werben, ohne Verletzbarkeit.

Männliche Sexualität als exklusive Kurtisane

So. Und nach all diesen Ausführungen kommen wir jetzt zu meinem Lieblingskapitel: der Ort und der Rahmen, den ich mir schuf, Männern so zu begegnen, wie es mir am besten gefiel – großzügig, wertschätzend, verwöhnend, hingebungsvoll.

Männer, die sich bei mir um ein Treffen bewarben, waren anders. Sie suchten nicht nach schneller Befriedigung, sondern nach einer erotischen Begegnung mit einer genießenden Frau. Es gab keinen strikten Zeitablauf, keine Liste an Serviceleistungen. Diese Männer konnten sich – bis zu einem gewissen Grad – auf das Spiel einlassen. Und sie wollten genau das: Spannung, Atmosphäre, eine gewisse Unverfügbarkeit. Was, wann und wie zwischen uns passierte, entschied die Stimmung. Die berühmte Chemie. Sie flüchteten nicht direkt zurück in den Alltag, und die Begegnung war ihnen nicht peinlich. Nähe war nicht Gefahr, sondern Teil des Reizes.

Viele suchten eine Girlfriend Experience – ohne Verpflichtung, ohne Erklärungen, ohne soziale Verwicklungen. Es ging um Ausbrechen aus dem Alltag, um erotisches Genießen, um anregende Gespräche und eine gemeinsame Zeit, die sich nicht nach „Durchlauf“ anfühlte.

Ganz offensichtlich wird: Jede Art von Angebot zieht ein sehr konkretes Bedürfnis männlicher Sexualität an. Und genau darin liegt der rote Faden: Nicht „die“ männliche Sexualität ist überall gleich – sondern sie zeigt je nach Angebot einen anderen Schwerpunkt.

Was das Setting über männliche Sexualität verrät

Nach diesen drei Settings war mir klar: Es gibt nicht „die“ männliche Sexualität, die überall gleich abläuft. Es gibt Bedürfnisse – und Männer wählen den Rahmen, der diese Bedürfnisse am einfachsten erfüllt. Gleichzeitig gilt: Männer, die solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sind bereits eine Selektion. Viele von ihnen suchen Sex ohne Beziehungsrahmen, ohne Verpflichtung, ohne soziale Verwicklungen – nicht weil sie „schlecht“ wären, sondern weil sie Risiko, Ablehnung oder emotionale Komplexität vermeiden wollen.

Im Bordell zeigte sich Sexualität häufig als schnelle Entlastung: effizient, zielorientiert, mit möglichst wenig Begegnung. Bei Haus- und Hotelbesuchen blieb der Kern zwar Sex, aber mit mehr Spielraum: zwischen Maximierung und echter Entspannung, zwischen Präsenz und Funktion – und bei manchen auch mit Scham und innerem Widerstand. Im Rahmen der Kurtisane zeigte sich eine andere Facette: Männer, die Spannung, Atmosphäre und Nähe suchen, jedoch ohne Verpflichtung und ohne den Druck, „im echten Leben“ bestehen zu müssen.

Für mich war die entscheidende Erkenntnis: Sexualität war in all diesen Formen vor allem eines – ein klares menschliches Bedürfnis. So klar, dass Männer bereit sind, dafür Geld auszugeben. Und ich erlebte häufig, wie sehr dieses Bedürfnis nach der Begegnung entlastete: Der Mann wurde ruhiger, weicher, regulierter. Das schließt Scham oder Schuld nicht aus – beides kann gleichzeitig da sein: Präsenz und Unwohlsein, Begehren und innerer Widerstand. Je klarer ich das verstand, desto klarer wurde auch, warum mich bestimmte Settings erschreckten – und warum andere mich aufatmen ließen. Nicht aus moralischen Gründen, sondern weil ich spürte, welche Form von Begegnung ich als Frau erleben möchte – und welche nicht.

Was „nur“ Sex für Männer bedeuten kann

Viele Frauen werten männliche Sexualität ab. Manche betrachten sie sogar als grundsätzlich übergriffig. Dies bestätigt sich für manche zudem in der Möglichkeit, Sexualität als Dienstleistung erwerben zu können. Dabei stellt sich die Frage: Was bedeutet eigentlich „nur“ Sex?

Viele Frauen hören „nur Sex“ und übersetzen es automatisch mit: „Ich bin ihm egal“ oder „Ich werde benutzt“. Das ist als Gefühl nachvollziehbar – aber es trifft die innere Funktion männlicher Sexualität oft nicht präzise. Denn außerhalb eines Beziehungskontextes kann Sexualität für manche Männer eine andere Bedeutung haben: weniger Bindung, weniger Geschichte, weniger emotionale Konsequenz – dafür mehr unmittelbare Entlastung.

Was ich in den unterschiedlichen Settings immer wieder sah, war deshalb nicht „Gefühllosigkeit“, sondern häufig Regulation. Sexualität kann ein schneller Weg sein, innere Spannung abzubauen: Stress, Unruhe, Druck, Überforderung, manchmal auch Einsamkeit – ohne dass der Mann dafür Sprache hat. Danach wirkt er ruhiger, weicher, präsenter. Das ist kein romantisches Bild, aber es ist ein reales Muster.

Gleichzeitig ist das ein Spannungsfeld: Ein Mann kann Nähe wollen und trotzdem Sex als Regulation nutzen. Er kann präsent sein und gleichzeitig Scham oder Schuld empfinden. Und er kann Sex suchen, ohne eine Beziehung einzugehen – nicht zwingend aus innerer Kälte, sondern weil er Risiko, Ablehnung oder Verpflichtung vermeiden will. Das erklärt, warum manche Männer Sexualität konsequent aus dem Beziehungsraum herauslösen. Und dabei haben wir noch gar nicht spezielle sexuelle Praktiken in Augenschein genommen wie Fetische, BDSM, etc.

Wichtig ist bei allem, keine falschen Schlussfolgerungen für sich selbst zu ziehen: Wenn Sexualität für ihn Regulation ist, heißt das nicht automatisch, dass die Frau dafür zuständig ist. Es ist sein inneres Thema. Er kann Sexualität als einen Weg wählen – er kann aber auch andere Wege lernen: Sport, soziale Verbindung, Kreativität, Ruhe, Körperarbeit, Verantwortung für den eigenen Stress. Eine Beziehung wird erst dann leicht, wenn beide Seiten verstehen, wofür Sexualität im eigenen System steht – und das gilt für beide Seiten.

Was sagt eigentlich die Liebe dazu?

Ganz zu Beginn habe ich auch diese Frage eröffnet: Wie gelingt es manchen Frauen, damit Geld zu verdienen, ohne daran kaputt zu gehen? Doch die viel relevantere Frage ist: Wie betrachtet eigentlich LIEBE die männliche Sexualität? Und um das vorweg zu nehmen: Liebe bedeutet nicht, alles gut zu heißen. Liebe sucht nach Wahrhaftigkeit und nicht nach Harmonie.

Dazu in den nächsten Tagen mehr….

Du möchtest deine Meinung zu diesem Artikel kund tun? Das kannst Du in einem Kommentar unter diesem Beitrag tun. Was war für dich neu? Was hast Du bereits ähnlich erlebt? Wie betrachtest Du das Thema?

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.