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Über Status, Anerkennung und die Angst vor Bedeutungslosigkeit
Heute, am 6.2.26 schrieb ich folgende Gedanken in meinen WhatsApp Status:
Die Erde.
Vor ca. 4,54 Milliarden Jahren entstanden.
Unser Leben darauf:
Ca. 90 Jahre.Der Mensch könnte dieses unfassbare Wunder, diesen Planeten mit seiner einzigartigen Evolution erleben zu dürfen, jeden Tag feiern. ❤️
Was machen die meisten stattdessen aus diesem Geschenk?
Hier ein Bild auf die Erde aus 6,06 Milliarden Kilometer Entfernung.
Alleine diese Vorstellung:
Über Milliarden von Jahren bis in jede kleinste Zelle pure Intelligenz. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes, gewachsenes Ökosystem, in dem unzählige Prozesse ablaufen.
Und was macht der Mensch?
Zerstört dieses System, statt es täglich zu feiern, wertzuschätzen, zu erhalten.
Und dazu zerstört er sich: Seinen Körper durch Substanzen, Streit, Macht, Angst.
Die Urangst des Menschen ist die Angst vor dem Tod. Es ist die Angst vor Bedeutungslosigkeit. Darauf basieren alle Ängste.
Und Ängste wirken destruktiv:
Es entstehen Süchte jeglicher Art, Angst vor Ablehnung, nicht genug sein, nicht geliebt und anerkannt zu werden…
Der Mensch betreibt in Folge Angstverwaltung mit den immer selben Symptomen: Stress, Druck, Vergleich, Urteil, Kontrolle, Kränkung, Gier, Krankheit.
Aus dieser Angst entstehen Handlungen: Geld anhäufen, Erde ausbeuten und zerstören, Status aufbauen, Menschen unterdrücken,…
Der Mensch zerstört sich selbst und seinen Lebensraum – aus Angst vor Bedeutungslosigkeit. Wie paradox!!
Doch was, wenn wir wirklich absolut bedeutungslos sind?!
Was, wenn Religionen wirklich nur Opium des Volkes sind, wie Karl Marx meinte?
Was, wenn in Wahrheit diese Ohnmacht unserer eigenen Bedeutungslosigkeit genau diese Wut auslöst, die alles zerstört?
Wir sind wütend wie kleine Kinder, weil dieser wundervolle Planet uns einfach nicht braucht. Das kränkt unser aufgeblasenes Ego.
Vielleicht sind wir auch gar kein Abbild Gottes, sondern ein Virus auf diesem Planeten, der um Selbsterhaltung kämpft, weil er weiß, er hat keine Daseinsberechtigung.
Was macht das mit dir, diesen Gedanken wirklich zuzulassen?
Wenn wir aufhören, uns wichtig zu nehmen. Wenn wir akzeptieren:
Wir sind bedeutungslos. Ich bin bedeutungslos. Wir alle sind bedeutungslos.
Ist das nicht auch eine unfassbare Befreiung?
Weil Du dann um nichts mehr kämpfen musst. Du musst nichts beweisen. Du musst niemandem zeigen, dass Du „jemand“ bist. Du musst nichts erreichen, um eine Daseinsberechtigung zu haben.
Wenn Du dich mit deiner Bedeutungslosigkeit anfreundest, passiert etwas Spannendes:
Du wirst wieder leicht und frei.
Dann kommt die wahre Schöpferenergie zurück. Nicht als Ego-Nummer, sondern als Wahrhaftigkeit im Loslassen:
Wenn es nichts zu erreichen gibt – wie will ich es dann haben? Wie darf es sein? Wie will ich leben? Was will ich erschaffen, einfach, weil ich wählen kann – aus der inneren Freiheit heraus, nicht aus Performance-Druck.
Vielleicht ist genau das der Weg zurück.
Erst wenn der Kampf um Bedeutung endet, kann Liebe wieder beginnen. 💕
Als ich diese Gedanken bis in jede kleine Faser zerlegt habe, wurde mir klar: Dies muss ein Artikel werden und vielleicht ist es der wichtigste Artikel überhaupt, hier auf meiner Website. Nicht nur, weil er den Kern allen Seins, sondern auch den Kern des Nicht-Seins berührt und damit unsere größte Angst: Nicht mehr zu sein.
So ging ich zuerst auf die Suche. Bin ich eigentlich die einzige, die das so sieht? Dass in Wahrheit die Angst vor dem Tod diese eine Urangst ist, auf der alle anderen Ängste begründet sind. Und zudem, dass diese Ohnmacht über den Tod, die Tatsache, dass wir keinerlei Einfluss haben, ob wir sterben, tiefe (unbewusste) Verzweiflung und Wut in uns festhält.
Diese Ängste, diese Ohnmacht vernebelt unsere Sicht komplett auf das Geschenk Erde, auf das Geschenk des Lebens und der Erfahrung, die wir hier auf diesem Planeten machen dürfen. Menschen sind so viel beschäftigt, Dinge zu erreichen, zu funktionieren, sich anzupassen, zu leisten, sich anzustrengen, dass der Blick und die Dankbarkeit für das eigene Geschenk Leben völlig in den Hintergrund tritt oder manchen nie wirklich bewusst wird.
Sie sind so sehr damit beschäftigt zu kämpfen, sich anzustrengen, etwas zu erreichen, das innerhalb der „Matrix Mensch“ etwas zählt, obwohl sie auf lange Sicht gar nichts gewinnen können.
Ist es ein Gewinn, während der Lebenszeit hier auf der Erde sich anzupassen, zu funktionieren, „jemand“ zu sein, wenn sich in 250 Jahren niemand mehr an dich erinnern kann? Oder ist es nicht vielmehr ein Gewinn, während der eigenen Lebenszeit nicht zu kämpfen und stattdessen dieses Leben voll auszukosten, die Erde zu bewundern, zu bewahren, zu erfahren – und sich nicht in Kleinkriege hineinziehen zu lassen?
Warum wir kämpfen – die Kriege im Kleinen
Manchen Menschen führen täglich Krieg, am allermeisten mit sich selbst: Mit ihrem Körper, ihrem Ehepartner, ihren Kindern, im Berufsleben ob mit oder ohne Arbeitskollegen, im Straßenverkehr, beim Einkaufen…
Und all das passiert aus der puren Unbewusstheit heraus. Den wenigsten gelingt es, Abstand zu nehmen. Und damit meine ich nicht, den Abstand von anderen, sondern vor allem: Den Abstand zu sich selbst, zum eigenen Ego, das so sehr nach Aufmerksamkeit, Liebe von anderen, Anerkennung und Wertschätzung lechzt. Dieses eine Ego, das einfach Bedeutung möchte und nicht sterben mag.
Warum wir kämpfen: Was die Wissenschaft dazu sagt
Meine These lautet: Der Mensch kämpft, weil er Angst reguliert. Vor allem die Angst vor dem Tod – und die Angst, bedeutungslos zu sein. Dabei meine ich Kämpfen nicht immer wörtlich, sondern auch als Ausdrucksform von: übertriebener Disziplin, die Anstrengung um Anerkennung, die verzweifelte Suche nach Liebe, Härte gegen sich selbst/gegen den eigenen Körper, der Optimierungswahn, die Angst vor dem Alterungsprozess, Schönheitsoperationen, etc.
Und das sagt die Wissenschaft dazu:
Ein zentraler Ausgangspunkt dafür ist der Kulturwissenschaftler Ernest Becker. In The Denial of Death beschreibt er den Menschen als ein Wesen, das mit einer Zumutung leben muss: Es weiß, dass es sterben wird. Und genau daraus entstehen „Bedeutungs-Projekte“: kulturelle Systeme, Rollen, Status, Leistung, Symbolik. Nicht, weil sie objektiv nötig wären, sondern weil sie psychisch beruhigen: Sie geben dem Leben eine Form von „Unsterblichkeit“ über Bedeutung.
Aus Beckers Gedanken wurde in der Sozialpsychologie die Terror-Management-Theorie (TMT) entwickelt. Ihr Kern: Wenn Sterblichkeit im Bewusstsein aktiv wird (mortality salience), steigen typische Abwehrreaktionen. Menschen verteidigen dann ihr Weltbild stärker (richtig/falsch, wir/die). Und sie stabilisieren ihren Selbstwert stärker über kulturelle Standards (Anerkennung, Status, Leistung). Beides funktioniert als Angstpuffer. Eine große Meta-Analyse (277 Experimente) findet dafür insgesamt einen klaren Effekt.
Das ist nicht nur „Theorie“. Es gibt Studien, die genau den Schritt untersuchen, der hier interessiert: Sterblichkeits-Erinnerung → Angriff. Ein bekanntes Beispiel sind Experimente, in denen Versuchspersonen zuerst über den eigenen Tod schreiben (oder ein neutrales Thema) und danach jemandem begegnen, der ihr Weltbild abwertet. Anschließend können sie der Zielperson eine unangenehme Menge scharfer Soße zumuten – als messbares Aggressionsverhalten. Ergebnis: Wenn der Tod mental präsenter ist und das Weltbild bedroht wird, steigt die Aggression. Das zeigt exakt den Zusammenhang „Urangst → Abwehr → Angriff“.
Damit wird sichtbar, warum „Kampf“ so attraktiv ist: Er stellt kurzfristig Ordnung her. Er erzeugt oben/unten, Sieger/Verlierer, Recht/Unrecht. Diese Ordnung ist psychologisch nicht einfach eine Meinung – sie ist ein Beruhigungsmittel gegen Ohnmacht. (An dieser Stelle drängt sich wieder der Ausdruck von Karl Marx auf: Religion ist Opium fürs Volk – aber dazu später mehr).
Der nächste Baustein betrifft Wut. Viele Menschen erklären Wut moralisch oder sozial („Respekt“, „Übertritt“, „Entwertung“, „Grenze überschritten“). Die Psychodynamik formuliert nüchterner: Wut erscheint häufig dort, wo Selbstwert bedroht ist. Der Psychoanalytiker Heinz Kohut prägte dafür den Begriff „narcissistic rage“: Wut als Reaktion auf narzisstische Kränkung – wenn das Selbstbild wankt, wenn das Gefühl entsteht, klein gemacht oder bedeutungslos zu sein. Dann wird Wut zur Selbstschutzreaktion: Ohnmacht wird in Angriff verwandelt.
Auch die Forschung zur Achse Scham → Wut ist hier relevant. Eine klassische Studie von Tangney zeigt: Schamneigung korreliert konsistent mit Ärger, Misstrauen, Ressentiment, Reizbarkeit und dem Impuls, Schuld nach außen zu verlagern. In der Sprache dieses Artikels: Wo innerlich „Ich bin nichts“ brennt, entsteht leicht „Du bist schuld“. Wut wird zur leichter erträglichen Emotion, weil sie Handlungsgefühl simuliert.
Ergänzend dazu werden in der Literatur sogenannte Scham-Wut-Spiralen beschrieben: Scham kann eine feindselige, „gedemütigte“ Wut auslösen – als defensive Reaktion auf Machtlosigkeit.
Damit ist eine psychologische Präzisierung möglich: Der Mensch ist nicht wütend, weil er sich innerlich stark fühlt. Er ist wütend, weil er sich innerlich klein fühlt – und dieses gefühlte Kleinsein nicht aushält. Wut ist dann nicht Ausdruck von Größe, sondern von verletztem Selbstwert.
Auch auf der existenzphilosophischen Ebene ist Bedeutungslosigkeit die Grundangst. Paul Tillich spricht von der „anxiety of emptiness and meaninglessness“ – der Angst, dass das Leben keinen letzten Sinn hat und damit geistiges „Nichtsein“ droht. Diese Angst erzeugt Druck: Menschen flüchten dann häufig in Ersatz-Sinn, in Ideologie, in Überlegenheit, in dogmatische Sicherheiten – alles, um diese Leere nicht fühlen zu müssen.
Ähnlich beschreibt Irvin Yalom in der existenziellen Psychotherapie die vier Grundthemen: Tod, Freiheit, Isolation, Sinnlosigkeit. Entscheidend ist bei ihm nicht das Thema selbst, sondern die Reaktion darauf. Wer Tod und Sinnlosigkeit nicht ertragen kann, sucht häufig kompensatorische Lösungen: Rollen, Leistung, Besitz, Kontrolle, moralische Überhöhung. Der „Kampf“ wird dann zu einer Lebensform – weil er das Gefühl gibt, nicht ausgeliefert zu sein.
Zusammengefasst sagen diese Linien aus Wissenschaft und Philosophie etwas sehr Unbequemes: Vieles, was wie Stärke aussieht – Status, Rechthaben, Dominanz, Abwertung, Härte, Siegen-Wollen – ist in Wirklichkeit Angstverwaltung.
Der Mensch kämpft, weil er Sterblichkeit und Bedeutungslosigkeit nicht erträgt.
Warum wir kämpfen: Kurze Analyse über den Zustand der Welt
Schauen wir uns auf Basis der oben dargelegten Erkenntnisse den Zustand der Welt an, stellen wir sehr schnell fest, auf welchem inneren Zustand die Welt des Menschen existiert: Es ist pure Angstlogik:
Rollen, Leistung, Besitz, Kontrolle, moralische Überhöhung, Anerkennung, Status, Überlegenheit, Ideologie, etc…
Zumindest in unserer westlichen, industrialisierten, arbeitsteiligen Welt ist dies der Fall. Ich möchte das an dieser Stelle aber nicht weiter ausführen, sondern lediglich feststellen. Eine weitere Analyse ist nicht nötig. Wir wissen, all diese Ausprägungen basieren auf Angst. Es bedarf nun lediglich der Entscheidung des Einzelnen, ob wir uns in dieser Matrix sehen und teilnehmen möchten – oder ob und wie jeder einzelne andere Entscheidungen für sein Leben treffen möchte.
Drei Wege, der Angst vor Bedeutungslosigkeit zu begegnen
Der Mensch hat drei Möglichkeiten, der Angst vor Bedeutungslosigkeit zu begegnen. Und wenn Du meine Texte bereits ein wenig kennst, wirst Du ahnen, was jetzt kommt. Exakt! 😉 Er kann den Weg der Liebe wählen oder wieder der Angst. Und jetzt wird es wirklich deep!
Ich habe meinen Artikel Liebe und 5 spirituelle Lehren: eine Wahrheitssuche eingeleitet mit einer sehr persönlichen Erfahrung: Liebe kann sich wie Sterben anfühlen. Ich befand mich gerade noch auf „Dopamin-Entzug“. Kein Instagram seit gut vier Wochen, keine Reels mehr, keine 100 Kommentare pro Tag, kein Drama – nur Ruhe und Stille. Wenige Tage später der nächste Einbruch: tiefe Traurigkeit, Melancholie und Schwere – gleichzeitig eng verbunden mit meinem Herzen. Ich habe mich für Liebe entschieden, diese Traurigkeit zuzulassen, sie zu akzeptieren und dankbar für ihre Erscheinung zu sein.
Jesus zu Nikodemus: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Joh 3,3
Das Reich Gottes liegt nicht außerhalb von uns, sondern ist ein Zustand in uns. Jesus sagt damit zu Nikodemus: Wer nicht bereit ist, alles abzulegen, was vermeintlich wichtig erscheint, wird nicht in den inneren Zustand des Friedens und der Liebe kommen – dem Reich Gottes.
Ich hätte also auch anders damit umgehen können – wie ich oben beschrieb: Es gibt zwei Wege. Liebe oder Angst. Angst ist nicht das Gegenteil von Liebe, sondern fehlende Liebe. Das bedeutet sehr konkret: Es kann niemals beides vorhanden sein. Wo Liebe ist, ist keine Angst. Wo Angst ist, fehlt die Entscheidung zur Liebe. Genau. Es fehlt die Entscheidung. Denn Angst ist in unserer Welt, so wie sie derzeit existiert, der Grundzustand des Menschen. Doch was bedeutet Liebe in diesem konkreten Kontext?
Die Überwindung der Angst vor dem Tod durch Religion und Spiritualität
Der Glaube an das Ewige Leben unter Bedingungen
Ich starte direkt rein in die wohl bekannteste Aussage zur Überwindung der Angst vor dem Tod:
Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben;
Joh 5,24
Jesus spricht die tiefste Angst im Menschen an: Die Angst vor dem Tod und damit die Angst vor Bedeutungslosigkeit. Seine Erlösung lautet: Glaubt (an mich).
Jesus steht für mich als Metapher für LIEBE und BEWUSSTSEIN. Er als Mensch war verkörpertes Bewusstsein und damit auch Ausdruck für Liebe. Deshalb ist das „wer an mich glaubt“ in Wahrheit: Wer in Liebe lebt, wer an die Liebe glaubt.
Hier noch ein paar mehr Zitate aus der Bibel, die immer wieder diese Ur-Angst vor dem Tod aufs Tablett bringen:
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. (Joh 3,16)
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; (Joh 3,18)
Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; (Joh 3,36)
Denn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag. (Joh 6,40)
Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. (Joh 6,47)
Doch damit nicht genug. Denn die Textstellen beschreiben nicht nur, dass wer an ihn glaubt, das ewige Leben hat, sie kommen allesamt mit der Kehrseite daher: Die Drohung vor dem Tod für alle, die nicht glauben. Für alle, die sich „falsch“ verhalten. Hier nur wenige Auszüge. Die Bibel ist voll davon:
Wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm. (Joh 3,36)
Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. (Joh 3,18)
Wir wissen, wie viele „Auflagen“ diese Aussicht auf das Ewige Leben mit sich bringt. Es sind nicht nur die Zehn Gebote, sondern es berührt unser innerstes Glaubenssystem. Der Kirche genügt es nicht, dass Du ein wohlfeiler Mensch bist, sie möchte mehr von dir. Sie möchte, dass Du an diesen Gott glaubst. Sie möchte, dass Du dich zu Jesus als den Sohn Gottes bekennst. Sie möchte, dass Du missionieren gehst. Nur dann, wenn all das erfüllt wird, nur dann hast Du das Ewige Leben.
Wir wissen zudem, wie sehr diese Angst vor dem Tod instrumentalisiert wurde in Form von Ablasszahlungen, Spenden an die Kirche, etc.
Viele Menschen haben sich deshalb – auch mit steigenden wissenschaftlichen Erkenntnissen – aus der Kirche verabschiedet. Einige davon haben sich zudem von diesem Glauben verabschiedet, weil sie nichts Gutes, Wahres oder Schönes in ihm sahen. Sie stellten fest wie sehr „Glaube“ missbraucht wurde und noch immer wird. In einigen sogenannten christlichen Gemeinden herrscht starker Konformitätsdruck, immer verbunden mit einer subtilen Drohung bei Verstößen.
Die Angst vor dem Tod ist wahrlich ein ganz zauberhaftes Geschäftsmodell.
Doch was machen die Menschen nun mit ihrer Angst vor dem Tod, wenn der Glaube an das Ewige Leben wegfällt?
Die Erhöhung des Selbst
Viele flüchten sich in Spiritualität, Persönlichkeitsentwicklung, Statuslogik. Sie lesen und hören Bücher über Nahtod-Erfahrungen. Diverse Journalisten und Wissenschaftler haben diese Phänome bereits aufgegriffen und analysiert. Spiritualität, die Persönlichkeitsentwicklungs-Szene und Erfolg sind zur Ersatz-Religion geworden. Sie versprechen Neues:
Du bist großartig. Du bist mit allem verbunden. Du bist wertvoll. Du wirst gebraucht. Du zählst. Du bist nicht nur ein Kind Gottes, ein Abbild Gottes, nein, Du bist Gott selbst. Denn Du bist Schöpfer deiner Realität. Du bist Alles. Deine Seele ist unsterblich.
Und ich sage nicht, dass das alles nicht wahr ist oder wahr sein kann. Der Punkt ist ein anderer: Es ist und bleibt Angstkosmetik.
Und dies ist schlicht erkennbar an der Energie dieser Menschen. Die wenigsten, die sich in diese Bereiche stürzen sind wirklich entspannt, gelassen, fröhlich, befreit. Viel mehr stecken sie fest in Bewertungen und Urteil. Sie müssen sich abgrenzen, auf ihre Energie achten, Energievampire loswerden, brauchen Me-Time, müssen Karten ziehen. Sie kämpfen noch gegen Systeme, gegen Politiker, gegen „die da oben“. Durch den Kampf – auch für vermeintlich „Gutes“ – wird der Kampf aufrecht erhalten. Und Kampf ist Ausdruck von Bedrohung.
Über Liebe, Loslassen und Hingabe
Kommen wir zum dritten Weg mit der Angst vor dem Tod umzugehen. Was würde die Liebe tun? Liebe bedeutet bedingungslose Akzeptanz allen Seins. Das ist auch der Weg, wie ihn Jesus beschreibt. Doch es genügt nicht, an eine Art von Liebe zu glauben. Glaube zeigt sich im Handeln!
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Mt 7,16)
Der Weg aus der Angst heraus geht durch die Angst hindurch. Es gibt nach meinem Ermessen einfach keinen Umweg vor der Angst vor dem Tod. Es gibt nur einen wahrhaftigen Weg – wie so oft: Den Weg der Liebe und hier konkret: Den Weg der bedingungslosen Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit, und damit der eigenen Bedeutungslosigkeit.
Und nein, ich schreibe das absolut nicht in dem Bewusstsein, Menschen damit kleine zu machen. Ihnen zu sagen: Du bist nichts wert. Im Gegenteil. Ich sage: Wenn Du die Angst vor dem Tod wahrhaftig loslässt – und somit den Tod ohne Hintertüre akzeptierst – bist Du frei! Du bist frei von allem, was dich klein macht! Du bist frei von jeglicher Anpassung, jeglichem Druck, jeglichem Angriff auf dein Selbstwertgefühl, weil die größte Angst nicht mehr existiert.
Die Angst vor dem Tod loszulassen, also den Tod bedingungslos zu akzeptieren, ist pure Hingabe an das Leben, an dein Sein, an alles was ist.
Solange wir den Tod nicht bedingungslos akzeptieren, bleibt alles Angstkosmetik mit der Kraft der Manipulation
Warum wird Jesus falsch verstanden?
Die Bibel ist in der Tat ein wahrer Schatz. Aber Du musst sie zwischen den Zeilen lesen, nicht als Geschichtsbuch. Jesus ist für mich ein Botschafter der Liebe. Und was kann es Größeres geben?! Jesus wird aus genau einem Grund falsch verstanden: Die Menschen betrachten seine Botschaften durch ihre Angst-Brille – und damit wird in der Tat jede Religion zum Opium des Volkes.
Sie dämpfen ihre Angst, sie unterdrücken ihre Angst. Und was unterdrückte, negative Bedürfnisse und Gefühle bewirken, hat Sigmund Freud als einen der Abwehrmechanismen ausführlichst beschrieben.
Damit wird jeder gute Hinweise zur Bedrohung: Wenn Du nicht in Liebe lebst, bleibt dir Gottes Reich verwehrt.
Das ist nur für die Menschen eine Bedrohung, die
- Angst vor dem Tod haben.
- nicht verstehen, was Liebe wirklich bedeutet.
Für alle anderen ist diese Aussagen schlicht und ergreifend Wahrheit, aber keine Bedrohung. Wenn Du nicht in Liebe lebst, bleibt dir das Reich Gottes verwehrt: Das Reich Gottes ist inwendig in euch. Es ist ein innerer Zustand des Friedens, der Fülle und der wahren Freiheit. Dieser Zustand ist durch Angst (vor dem Tod) nicht zu erreichen! Deshalb versuchte Jesus diese Angst zu nehmen. Diese eine Ur-Angst! Deshalb versuchte er, den Menschen klar zu machen, was Liebe bedeutet. Ein Weg dafür waren seine Gleichnisse in der Bergpredigt.
Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm. Joh 4,16
Doch weil diese Aussagen durch die Angstbrille für viele Menschen Bedrohung bedeuten, war es und ist es heute im Besonderen möglich, den Menschen zu manipulieren. Es sind also viel weniger „die da oben“, die den Menschen in eine Richtung lenken, sondern die Angst in jedem einzelnen, der sich lenken lässt.
Du möchtest ein aktuelles, konkretes Beispiel? Die Coronazeit.
Wie sich diese Angstlosigkeit auf dein Leben auswirkt
Eigentlich stand für heute ein anderer Artikel dran. Die, die meinen Instagram-Account abonniert haben, haben davon gelesen: Ein Paar war an einem Abend mit Freunden feiern. Sie ein wenig beschwipst ist anhänglich, weich, zugänglich, fröhlich und unbeschwert. Er sagt zu ihr am nächsten Tag: „So wie Du gestern warst, gefällst Du mir besser. Da konnte ich dich beschützen.“
Die Empörung war groß aus den unterschiedlichen Gründen – und wir besprechen das noch an anderer Stelle.
Doch stell dir Folgendes vor: Was, wenn diese Frau keine Angst vor dem Tod hat? Was, wenn sie in bedingungsloser Akzeptanz lebt? Was, wenn sie keine Angst vor Bedeutungslosigkeit hat?
Glaubst Du, dieser Satz ihres Mannes kann ihr etwas anhaben? Glaubst Du, er könnte sie dadurch manipulieren, mehr Alkohol zu trinken? Glaubst Du, sie fühlt sich dadurch verletzt?
Oder glaubst Du, dass diese Frau, die angstfrei durchs Leben geht, und kein Bedürfnis hat nach Anerkennung, Komplimenten, Wertschätzung und Aufmerksamkeit, über diesen Satz lächelt? Diese angstfreie, liebende Frau sieht sein Bedürfnis und seine Angst vor Bedeutungslosigkeit, was selbstverständlich er lösen darf.
Liebe macht dich immun gegen Manipulation.
Fazit
Die Angst vor dem Tod ist unsere Ur-Angst. Alle anderen Ängste inklusive ihrer Symptome wie Manipulierbarkeit, übertriebene Anpassung, Funktionieren, Leisten, krankmachende Disziplin für Erfolg, Anstrengung, übertriebene Gesundheitsprävention, Jugend- und Schönheitskult, uvm. beruhen auf dieser Ur-Angst.
Die wahre Hingabe ans Leben, die wahre Freiheit entsteht durch Loslassen und Akzeptanz. Und das ist nur ein anderes Wort für LIEBE.
Erst aus dieser Freiheit heraus entsteht wirkliche und die einzig wahre, weil konstruktive, Schöpferkraft! Aus dieser Freiheit heraus, ohne innere Zwänge, ohne (Leistungs-) Druck, kannst Du deinem Herzen wahrhaftig folgen. Erst aus diesem inneren Zustand, dem Reich Gottes, heraus handelt der Mensch für alle Bereiche konstruktiv, positiv, wohlwollend. Er wird immer versuchen, die Dinge in Einklang zu bringen, nicht zu schaden, sondern zu erhalten. Im Kleinen wie im Großen.
Das ist LIEBE.
Dein wahrhaftiges Leben entsteht dort, wo Du innerlich frei bist.
Das wünsche ich dir.
Bildquelle: Von Courtesy NASA/JPL–Caltech, Attribution, Link
1 Gedanke zu „Warum wir kämpfen, obwohl es nichts zu gewinnen gibt“
Liebe Frau Eden,
danke für Ihre Gedanken zum Thema Angst, Tod, Bedeutungslosigkeit und Glauben.
Themen, die mich schon immer umtreiben und die inzwischen immer klarer und fokussierter werden.
Beim Lesen dachte ich- ja, genau- das ist doch das, was unser Menschsein ausmacht… Aber wer redet darüber? Mit wem kann man darüber sprechen? Und wenn ja- dann kommt doch irgendwann der Punkt, an dem gesagt wird: schön war‘s, unser Gespräch- doch wenden wir uns jetzt mal lieber wieder unserem Leben zu, der „Realität“, dem echten. Unglaublich, wie wir verdrängen und umswitchen können.
Ich denke, wenn man so Leute wie Trump und viele andere anschaut- ist es nicht genau das, was gemeint ist? Die Angst vor Bedeutungslosigkeit angesichts des nahenden Todes- wenn selbst jemand, der Wahrheit so interpretiert, wie es ihm in den Kram passt, plötzlich so eine Ahnung davon bekommt, dass jetzt wirklich was passiert, was nicht mehr wegzuphantasieren ist- wenn „es“ wirklich passiert- egal, was ich tue, was ich will, was ich veranstalte. Es geht dem Ende zu.
Ja, bedeutungslos, das sind wir- und das nimmt tatsächlich Last weg. Und dann gibt es aber auch das tiefe Bedürfnis danach, gesehen zu werden, wichtig zu sein, Individualität zu feiern und darauf zu hoffen, dass sie gewünscht und gemeint war. Dass sie anerkannt wird… nicht nur von mir. Dass es nicht einfach zu einem NICHTS wird, mein So-Sein, mein Schmerz, meine Liebe, mein Ringen.
Zwischen diesen Polen leben wir- schon immer.
Herzliche e,
Uta